Gloster Gladiator Mk II

gladiator01Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 600 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der musealen Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Aus dem Line-Up der britischen Luftwaffe zu Beginn des zweiten Weltkrieges stellen wir in diesem Monat hier die Gloster Gladiator Mk II vor.

 

Das Modell:                            Gloster Gladiator Mk II (Airfix, 1/72)

Hersteller des PVC-Bausatzes mit rund 50 Teilen plus Schiebebildsatz im Maßstab 1/72 ist die englische Traditionsfirma Airfix. Es ist nach den frühen 1960er Jahren deren zweite Bausatzform dieses Flugzeugtyps und der wohl qualitätvollste Kit, welcher von der Gladiator in diesem Maßstab derzeit auf dem Markt ist. Alternativ zur Version einer britischen Mk II kann aus dem Bausatz eine Mk I der belgischen Luftwaffe von 1938 entstehen. Beim Modell wurde für die Spanndrähte von Tragflächen und Leitwerk Plastikgrat über einer Kerzenflamme gezogen. Auf die sehr schöne Pilotenfigur wurde aus Gründen der Sicht ins geöffnete Cockpit verzichtet.

Dargestellt ist eine Maschine der Royal Air Force, die im Dezember 1939 mit dem britischen Expeditionskorps in St. Inglevert, Nordfrankreich stationiert war. Das Jagdflugzeug des No. 615 „County of Surrey“ Squadron zeigt die frühe Ausführung der Fleck-Tarnung mit Dunkelgrün über Erdbraun in der Draufsicht, während die Unterseite auf der Längsachse in Schwarz und Weiß geteilt ist. Von letzterem Schema wich die R.A.F. bis zum Sommer 1940 ab und ersetzte es durch „Duckegg Blue“. Motorverkleidung und Cockpit sind teilgeöffnet, eine Andrehkurbel steckt in der linken Bugseite. Das Modell befindet sich in der oberen Ebene der Vitrine 22 in Halle 2.gladiator01

Das Original:                        Die Gladiator:  Zeitenwende bei der R.A.F.

Die Gloster Gladiator war das erste „neue“ und zugleich das letzte „alte“ Jagdflugzeug Großbritanniens zwischen den Kriegen. Ihre Geschichte ist exemplarisch für den technologischen Quantensprung im Rüstungswettlauf der europäischen Mächte in den 1930er Jahren. Als Weiterentwicklung der Gloster Gauntlet letzter verspannter Jagddoppeldecker der Royal Air Force, angetrieben von einem 9-Zylinder Bristol Mercury Sternmotor und mit freitragendem Fahrwerk, war sie ebenso deren erster Jäger mit geschlossenem Cockpit, Funkausrüstung, mit einer Tragflächenbewaffnung von 2 MGs und hydraulischen Landeklappen. Mit 410 km/h Höchstgeschwindigkeit einer der schnellsten Jäger in Gemischtbauweise, und doch mit Einsatzbeginn 1937 bereits technisch überholt. So war sie, bewaffnet mit insgesamt 4 Browning 7,7 mm MGs, nur Lückenbüßer bis zum Zulauf der neuen (Ganzmetall-)Tiefdecker mit Einziehfahrwerk, der Hawker Hurricane und der Supermarine Spitfire (sowie der ambitionierten, aber letztlich enttäuschenden Boulton Paul Defiant) ab 1938.

Old fashioned und charaktervoll, tat sie ihren Dienst zuverlässig mit britischem Gleichmut – 1939 nach der Kriegserklärung an Deutschland mit den Expeditionskorps in Nordfrankreich und Norwegen, während der Luftschlacht um England 1940 als Reserve- und Ausbildungsflugzeug in Schottland, als legendäre Luftverteidigung Maltas  in einer Stärke von 3 (!) Maschinen - und schließlich auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz gegen die italienische Luftwaffe noch bis 1941 nicht ohne Erfolg; gegen die Messerschmitt Bf 109 E der Luftwaffe, die Rommels Afrikakorps zugeteilt worden waren, hatten die Gladiator und ihre tapferen Piloten jedoch keine Chance mehr und mussten aus dem Fronteinsatz gezogen werden.

Insgesamt wurden etwa 600 Exemplare dieses Typs in zwei Hauptversionen, Mark I und Mark II, sowie rund 60 Sea Gladiators für die Marineflieger gebaut. Exportiert weltweit, so nach Belgien, Finnland, Schweden (Lizenzbau), Griechenland, Portugal und China, werden wenige Exemplare bis heute flugfähig gehalten. (sb)

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 Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch freuen: Donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr zeigen wir Ihnen gern unsere Schätze in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände!

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