Kawasaki Ki 61 1Kawasaki Ki-61b ´Hien´ („Tony“)

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 600 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Aus dem Arsenal der japanischen Heeresluftwaffe im zweiten Weltkrieg stellen wir in diesem Monat hier die Kawasaki Ki-61b ´Hien´ vor.

Das Modell:                            Kawasaki Ki-61b ´Hien´ (Revell, 1/72)

Vom US-amerikanischen Revell-Mutterunternehmen stammt dieser PVC-Bausatz aus den 1960er Jahren mit rund 30 Teilen samt (von der deutschen Revelltochter in Westfalen 2013 komplett neu gestaltetem) Schiebebildsatz im Maßstab 1/72. Ein solider Kit seiner Zeit, welcher mit etwas Engagement auch nach heutigen Maßstäben ein sehr ansprechendes Ergebnis ermöglicht.

Dargestellt ist die Maschine vom Kommodore des 244. Sentai (Fliegerregiment) der japanischen Luftverteidigung 1945, Major Teruhiko Kobayashi. Der Antennendraht wurde aus Plastikgrat über einer Kerzenflamme gezogen. Auf die Pilotenfigur wurde verzichtet. Das eingezogene Fahrwerk und das Aufsetzen auf einen ´Easy Model´-Ständer sollen die Dynamik des Abfangjägers akzentuieren.

Das Modell kann man in einer der Vitrine in Halle II bestaunen.

Das Original:                        Der „Schwalbenflug“ – ein deutsches Flugzeug aus Japan

Das Heeresjagdflugzeug Kawasaki Ki-61 ´Hien´ (zu deutsch „Schwalbenflug“), ein einsitziger Ganzmetalltiefdecker, war eine der ganz wenigen japanischen Konstruktionen zum zweiten Weltkrieg mit Reihenmotor – sie war im Gegensatz zu den Marinekampfflugzeugen nicht für den Einsatz über See vorgesehen und benötigte so die bessere Betriebssicherheit, Wartungsfreundlichkeit und Beschussfestigkeit eines Sternmotors nicht, sondern konnte die höhere Leistung und bessere Aerodynamik eines 12-Zylinder-Reihenflugmotors nutzen. 

Sie nimmt ihren Platz in der Luftfahrtgeschichte nicht allein als erfolgreicher, wenngleich mit verschiedenen technischen Kinderkrankheiten behafteter Jäger und Jagdbomber ein, sondern auch als das „deutsche“ Flugzeug japanischer Konstruktion. 1941 erstmals in der Luft und im Jahr darauf im Truppendienst, war ihr Chefkonstrukteur Takeo Doi Schüler und Nachfolger Richard Vogts, welcher von 1923 bis ´33 die Flugzeugabteilung und den erweiterten Lizenzbau von Dornierflugzeugen bei Kawasaki geleitet hatte.

Nach Kauf und umfänglicher Erprobung von Exemplaren der Heinkel 112, 100 und Messerschmitt Bf 109 durch japanische Behörden und Firmen schuf Doi in starker technischer Anlehnung und Anmutung, angetrieben von einer Leichtbauversion des DB 601 A, seine Kawasaki Ki-61. Deren Bewaffnung bestand aus 2 schweren MG und 2 Mauser 20mm-MK, zunächst importiert, später ebenfalls in Lizenz gebaut. Nicht verwunderlich, dass die US-Armee die ´Hien´ zunächst für eine Version der Messerschmitt bzw. einen Zwitter aus He 100 und Bf 109 hielt. Sie teilte der Maschine den alliierten Codenamen „Tony“ zu.

Mit rund 600 km/h Höchstgeschwindigkeit bei einer Spannweite von 12 Metern und Länge von 8,75 Metern teilte die Hien Vorzüge, aber auch Schwächen ihrer Vorbilder, so die Kühlerprobleme der Heinkel 100. Auch in der Jagdbomberrolle verwendet, wurden die meisten der rund 3.150 Exemplare aller Versionen jedoch in der Luftverteidigung Japans und so vor allem gegen die schweren US-Bomber Consolidated B-24 ´Liberator´ und Boeing B-29 ´Superfortress´ eingesetzt.

Kommodore Kobayashis danse macabre

Dabei forderte ihre hierfür relativ leichte Bewaffnung von je zwei 12,7 mm MG und 20mm- MK (erst spät in wenigen Exemplaren auf zwei 30mm-MK erhöht) erhebliches fliegerisches Können, immensen Mut wie auch rücksichtslosen Einsatz, um gegen die dichten und schwer bewaffneten Bomberformationen zum Erfolg zu kommen. Nicht selten endeten diese Luftkämpfe auf kürzeste Distanz bei hoher Geschwindigkeit im Zusammenstoß der Kontrahenten, mitunter auch im absichtlichen Rammen seitens der japanischen Piloten.Kawasaki Ki 61 1

Und da sind wir wieder bei Major Teruhiko Kobayashi, dem jüngsten Kommodore und hochdekorierten Flieger der kaiserlichen Streitkräfte. Er führte im letzten Kriegsjahr das 244. Heeresfliegerregiment, von dessen 73 bestätigten Luftsiegen über B-29 Superfortress er allein 12 erzielte, einen davon indem er seine Maschine in den Gegner bohrte. Kobayashi überlebte diesen Einsatz wie den Krieg - und starb den Fliegertod bei Erprobung eines US- Jets im Zuge der Wiederbewaffnung Japans Mitte der 1950er Jahre.              sb

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen, sobald das Haus seine Tore wieder öffnen darf: bitte informieren Sie sich auf diesen Seiten!

 

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