Die Heinkel He 70 Blitz und ihr Umfeld

he011Hier muss - wegen der immensen Bedeutung dieser Geschichte - ein wenig ausgeholt werden. Der Flugzeugtyp, um den es hier geht, hat eine spannende Vor- und Nachgeschichte.he011

Zu Beginn waren es 2 Studenten (die hießen damals und lange danach auch noch Studenten!) der TU Hannover, die sich der Aerodynamik und der Luftfahrt-technik verschrieben hatten. Noch während des Studiums arbeiteten sie bei der Hamburger Flugzeugfirma Bäumer an Projekten. Das wichtigste war der dann der so innovative Sausewind mit seinem von den beiden Studiosi, den Brüdern Walter und Siegfried Günter aus Thüringen, entworfenen elliptisch geformten Flügelgrundriss. Zu dieser zeit gab es bisher  kaum  andere  als Rechteckflügel, abgesehen von der Junkers F 13 mit ihren Trapezflügeln, die auch schon eine deutliche Leistungssteigerung brachten.

Diese neue Flügelgeometrie bewirkte einen ziemlichen Leistungssprung: Mit einem 65 PS starken luftgekühlten US-Dreizylinder Sternmotor Wright Gale und einem Abfluggewicht von 490 kg machte der zweisitzige Sau-

Oben: Ernst Heinkel und Siegried Günter an einem Zeichenbrett bei Heinkel, wo die Zwillingsbrüder Siegfried und Walter Günter nach ihrem Weggang bei Bäumer eine große luftfahrttechnische Karriere machten. Walter verunglückte 1937 tödlich, Siegfried blieb bei Heinkel und musste nach dem Weltkrieg einige Jahre in die Sowjet-Union. Ab etwa 1955 arbeitete er wieder für  Heinkel und dem EWR-Süd.  Unten: Der innovative Bäumer Sausewind, aerodynamisches Vorbild für die Heinkel He  70  und die britische Supermarine Spitfire.

sewind mit ihrem verspannungsfreien elliptischen Flügel auf der Langstrecke eine fantastische Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 180 km/h. Das Flugzeug wurde noch mehrfach geändert und weiter verbessert.

Paul Bäumer verunglückte 1927 in Kopenhagen tödlich bei der Vorführung des Jagdflugzeuges Rohrbach Rofix, womit dann  der Arbeitsplatz für die Günter-Brüder wegfiel. Ernst Heinkel in Rostock, hatte die damalige Szene fest im Auge und wollte immer "schneller - höher - weiter" und holte sich Siegfried Günter, jetzt sogar mit Examen und den Bruder Walter etwas später - ohne Examen.

Und hier kommen wir Anfang 30er Jahre zu der Heinkel He 70 Blitz, nachdem Günter das Sportflugzeug Heinkel He 64 als Weiterentwicklung der Sausewind - allerdings mit Trapezflächen-Grundriss - entwickelt hatte für den Europa-Rundflug 1932, Pilotin war Elly Beinhorn. Diese Maschine besaß keinerlei Verspan-nungsdrähte oder Streben mehr. Hier machte sich auch der nach den Gewichtsbeschränkungen durch die alliierten Sieger  vermehrt angewandte neue Leichtbau bemerkbar, der ebenfalls zur Leistungssteigerung (bei fast allen Flugzeugbauern in Deutschland) beitrug.

Zu dieser Zeit waren alle Luftverkehrsgesellschaften hinter schnelleren Flug-zeugen her, und die technische Entwicklung machte es möglich: Bei der US-Forschungsanstalt NACA (heute NASA) wurden Ende der 20er Jahre die den massiven Luftwiderstand der luftgekühlten Sternmotore deutlich mindernden NACA - Hauben erfunden, die dann z.B. auch bald die Ju 52, Boeing 247 und Douglas DC-2 bekamen, alle in dieser Zeit auf den Markt gekommen.

Der nächste Schritt war dann die Einführung des widerstandsmindernden Einziehfahrwerks, was die US-Firma Lockheed mit dem legendären Konstrukteur Jack Northrop gleich zu Beginn der der 30er Jahre schaffte. Ein solches war zum ersten Mal 1919 vom US-Rennflugzeug Dayton-Wright 1919 eingeführt worden, führte dann aber erst einmal eine Ruhedasein. In dieser Zeit kamen dann noch - aus den USA stammend - Verstellpropeller mit konstanter Drehzahl, nochmals eine Leistungs-steigerung. Sie erhielt zur Verringerung der Landegeschwindigkeit Spaltklappen.

Lockheed hatte bei dem Kleinpassagierflugzeug Vega eine Holz-Halb-schalenkonstruktion angewendet, ähnlich den Albatros-Jägern des 1. Weltkrieges, erst ohne, dann mit NACA-Haube. Mit einer solchen Maschine flog Amelia Earhart als erste Frau über den Atlantik (deren rote Vega ist heute im Smithsonian in Washington D/C zu bewundern!). Der dann folgende Schritt war eine Tiefdecker ähnlicher Dimension, die Lockheed Orion, ebenfalls in dieser Holzkonstruktion, jetzt allerdings mit dem noch mehr Einziehfahrwerk.

Die Deutsche Luft Hansa (der Name wurde erst später zusammengeschrieben wurde), bekam das mit, zumal die schweizerische Swissair mit der Orion liebäugelte. Das ließ Ernst Heinkel nicht ruhen. Er bewarb sich bei Luft Hansa und Swissair mit dem neuen Entwurf der Heinkel He 70 Blitz für diese Ausschreibung eines schnellen Mittelstrecken-Verkehrsflugzuges.

Die He 70 war ein Tiefdecker, verspannungsfrei, mit einem Rumpf aus Metall-Halbschalen, mit Versenknietung (!)  und Holztragflächen mit Einziehfahrwerk. Sie konnte bis zu 5 Fluggäste und 1 Piloten befördern, und das mit einem BMW VI

Reihen-Zwölfzylinder Motor,  wassergekühlt, mit zunächst 550 kW/700 PS. Damit machte sie eine Reisegeschwindigkeit von 280 km/h (v/max 360 km/h!).

Die Übertragung der Aerodynamik der Sausewind mit dem elliptischen Flügel auf diese viel größere Neukonstruktion brachte diese Leistungen Das Konkurrenz-muster Lockheed Orion aus Holz-Halbschalen zeigte mit Trapezflächen, einem Sternmotor von Wright mit NACA-Haube, und 575 PS ähnliche Leistungen.

Ein neuer Weg in der Luftfahrt war also beschritten worden, Erfolge blieben nicht aus. Die Lufthansa betrieb 1935 10 Maschinen im innereuropäischen Luftverkehr. Weitere Exemplare gingen an die Luftwaffe und nach Spanien und Ungarn. Die He 70 war 1932-35 schneller als die damaligen Doppeldecker-Jagdflugzeuge.

Dann kaufte die britische Flugmotorenfirma Rollce-Royce ein Exemplar und rüstete es mit dem damals hochmodernen Flugmotor Kestrel aus, einem modernen stehenden V-12 flüssigkeitsgekühltem Hochleistungsmotor mit 510 kW/ 695 PS. Damit machte de He 70 sogar 410 km/h v/max und v/Reise mit 370 km/h. Und Diese He 70 wurde das aerodynamische Vorbild der Firma Supermarine für die von ihrem Spitzenkonstrukteur Mitchell entworfene Spitfire, dem britischen Jäger des 2. Weltkrieges

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Links sehen wir die Supermarine Spitfire Mk. IX, deren Aerodynamik i.wstl. der Mk. I entsprach. Rechts die mit ähnlicher Aerodynamik entwickelte Heinkel He 112, die bei der Luftwaffe gegen die Messerschmitt Bf 109 verlor.

Mit dem aus dem Kestrel dann eingeführten RR-Merlin wurde die Spitfire dann ein wesentlicher Hochleistungsjäger der Briten in immer weiter verbesserten Versionen während des gesamten Krieges und später, ähnlich wie die Messerschmitt Bf 109 im Deutschen Reich.

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Modelle im Museum in 1:72: Links Bäumer Sausewind, Mitte He 70 V2, rechts Lockheed Orion. Unten He 70 und Lh Orion

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Unten: In 1:48 in der Schnellflugausstellung: Hinten links Lockheed Orion, rechts Lockheed Vega, mittig Bäumer Sausewind, davor die li. Fläche der He 70 V2

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Oben vorn der Sausewind, rechts die Orion, links He 70 V2, darüber He 70 G-Serie - und dahinter im Schatten die Heinkel He 112. Auf dem unteren Bild in der Vitrine Schnellflug die 4 Maschinen von vorn.

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Unten von der anderen Richtung aus vorn die Supermarine Spitfire Mk. II, links dahinter die He 112, hinten die oben gezeigten Flieger.

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Auf dieser Seite von der anderen Richtung aus vorn die Supermarine Spitfire Mk. II, links dahinter die erfolglose He 112, hinten die oben gezeigten Flugzeuge.

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Und wenn Sie Unser Museum besuchen wollen und diese Modelle "in natura" sehen möchten: 1:72 in Halle 1:48 in H2 in der Schnellflugausstellung - mit vielen Daten dieser und vieler anderer Maschinen.

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