Schwanengesang…

die Me Bf 109 G-10

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In unserer Reihe ´Modell des Monats´ stellen wir Ihnen dieses Mal die Messerschmitt Bf 109 G-10 vor, die letzte in nennenswerter Zahl gebaute Version des Standardjagdflugzeuges der deutschen Luftwaffe und ihrer Verbündeten im zweiten Weltkrieg.

Das Luftfahrtmuseum zeigt eine aus dem Mittelmeer geborgene und komplett restaurierte G-2, verschiedene Exemplare der Daimler-Benz-Motoren DB 601, 603 und 605 sowie Modelle aller Baureihen der „109“ in den gängigen Maßstäben.

 

Das Modell:                Die 109 G-10 von Revell in 1/72

Inzwischen auch schon ein Klassiker wie sein Vorbild ist der Revell-Bausatz aus Bünde mit 37 Teilen plus Schiebebildersatz aus den 1990er Jahren. Sauber ausgeführt, fein detailliert und passgenau, lässt er die Wahl zwischen zwei Maschinen der deutschen Luftwaffe im letzten Kriegswinter. Wir haben uns jedoch für einen Jäger der königlich ungarischen Streitkräfte aus dem Frühjahr 1945 entschieden.

 

Das Original:              Sterbender Schwan

Tja, die „109“: 1935 unter Prof. Willy Messerschmitt in den Bayerischen Flugzeugwerken in Augsburg entworfen und in die Luft gebracht, ist ein Superlativ der Luftfahrt. Das mit rund 35.000 Stück meistgebaute deutsche Flugzeug bis heute, der weltweit meistgebaute Jäger (wahrscheinlich insgesamt, zumindest aber aller Kolbenmotorflugzeuge) und der Flugzeugtyp, auf dem die meisten Luftsiege erkämpft wurden. Rekordinhaber und Sieger zahlreicher Flugwettbewerbe in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg, war der einsitzige Ganzmetalltiefdecker mit Einziehfahrwerk und geschlossenem Cockpit ein Meilenstein der Aviation und das Standardjagdflugzeug der zweiten deutschen Luftwaffe, im Einsatz auch bei fast allen verbündeten und einigen neutralen Staaten bis 1945 – und in einigen Luftwaffen sogar Jahre darüber hinaus.

Bis zur Baureihe F und ins Jahr 1942 Spitzentechnologie, war die Baureihe G der notwendige Versuch zur Balance von Leistung und Robustheit, diversen taktischen Profilen und Produktionsvereinfachung des Typs. Die Focke-Wulf 190 übernahm die leistungsmäßige Führungsposition in der deutschen Jagdwaffe bis zum Erscheinen der Me 262, gegnerische Entwicklungen überflügelten die „109“ konstruktiv zunehmend – doch die Piloten, welche darauf zu „Assen“ geworden waren, fingen diesen Verlust durch Vertrautheit mit und Vertrauen in das Flugzeug auf und hielten den Typ in der Einsatzbilanz an der Spitze.

Das Entwicklungsteam in Augsburg arbeitete derweil fieberhaft an der ständigen Optimierung: Stärkere Motoren und Bewaffnung ohne Einbußen an der Aerodynamik bei gleichzeitig zunehmend angespannter Rohstoff- und Produktionslage in der kleinen Zelle unterzubringen, ohne die Massenfertigung zu beeinträchtigen, stellte eine immense Herausforderung dar, die immer schwerer zu bewältigen war.

Abfangjagd

War die Version G-6 noch der klassische Kompromiss von Leistung, Einsatzspektrum und Fronttauglichkeit, ließ die Kriegslage im Jahr 1944 nur noch die Anforderungen reiner Luftverteidigung gegen eine nun übermächtige Allianz zu: Steigleistung, Gipfelhöhe, Geschwindigkeit und Feuerkraft. Mit dem Daimler-Benz DB 605 D, 685 km/h und Armierungen bis zu einer 30 mm-MK und zwei 13 mm-MG war die G-10 die schnellste und stärkste Version der 109, ein reiner Abfangjäger – und doch nur noch in den Händen erfahrener Piloten den besten alliierten Konstruktionen ebenbürtig. Im Vergleich zur G-6 aerodynamisch wieder „sauberer“ und dem Erscheinungsbild der Baureihe F angeglichen, nivellierten die Kriegslage und der allgegenwärtige Mangel an Personal, Material und Treibstoff auf deutscher Seite um die Jahreswende 1944/45 doch zumeist die Stärken dieser Konstruktion. So wurde das markante Motorgeräusch der G-10 zum Schwanengesang nicht allein der 109, sondern der ganzen Luftwaffe.

In Lizenz

Die königlich ungarische Luftwaffe, Magyar Királyi Légiero in der Landessprache, erhielt noch bis kurz vor Kriegsende verschiedene Flugzeugtypen deutscher Herkunft, so neben der Me Bf 109 der Baureihen F und G vor allem die zweimotorige Me 210, die Bomber Junkers Ju 86 und 87 und den Nahaufklärer Focke-Wulf Fw 189 in nennenswerten Zahlen.

Die Me Bf 109 wurde dort auch in Lizenz gebaut; einige jener Exemplare gingen sogar zur deutschen Luftwaffe. Die letzten Versionen der 109, die in kleinen Stückzahlen der ungarischen Luftwaffe zuliefen, waren G-14 und G-10. Unser Modell zeigt eine solche Maschine aus der Schlacht um Budapest vom Dezember 1944 bis Februar 1945; es waren die letzten koordinierten Einsätze der Magyar Királyi Légiero. 

sb

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch des Luftfahrtmuseums in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!                           

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Foto 1: Eine Me Bf 109 G-10 der ungarischen Luftwaffe aus dem Revell-Bausatz in 1/72.

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Foto 2: Der permanent montierte Zusatztank war Standard ab der Baureihe G, der DB 605 D machte zusammen mit der schweren Bewaffnung eine überarbeítete Bugverkleidung der G-10 nötig.

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Foto 3: Die letzte Version der 109 stand bis Kriegsende im Einsatz, so auch in der Schlacht um die ungarische Hauptstadt.

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Foto 4: Wie bei der deutschen Luftwaffe waren Farbgebung und Kennzeichnung der ungarischen Maschinen zum Kriegsende von striktem Sichtschutz bestimmt. Der Farbauftrag bei unserem Modell

erfolgte ausschließlich durch Pinsel.

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Foto 5: Nur die Unterseite bot im Frühjahr 1945 noch die vollständigen Nationalitätskennzeichen.

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Foto 6: „Familienfoto“: Eine G-10 der II. Gruppe des JG 7 wie vom Revell-Bausatz vorgesehen und unsere ungarische Ausführung.