Die Focke-Wulf Fw 189 Uhu

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Die Focke-Wulf Fw 189 im Maßstab 1/72 von Airfix, hier als Aufklärer der slowakischen Streitkräfte 1943.

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die rund 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen in der Reihe ´Modell des Monats´ das zweimotorige, dreisitzige Nahaufklärungs- und Mehrzweckflugzeug Focke-Wulf Fw 189 Uhu vor, Standardmuster für diese Aufgaben bei der deutschen Wehrmacht und ihren Verbündeten im zweiten Weltkrieg.

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Die fast vollverglaste Kabine des „Uhu“ bot exzellente Sichtverhältnisse ringsum. Die gelben Markierungen dienten zur Freund/Feind-Kennung bei den Achsenmächten an der Ostfront.

Das Modell:                Ein Uhu für die Slowakei

Unser 1/72-Kit mit 67 Teilen und Schiebebildersatz ist der klassische Bausatz von Airfix („Haldane Place, London S.W. 18“) von 1967, um 2010 von Hornby Hobbies Limited in Kent mit zwei alternativen Dekorationen neu aufgelegt, neben der obligaten Luftwaffenversion auch für einen Aufklärer der slowakischen Luftstreitkräfte.

Das Museum zeigt mehrere, vornehmlich deutsche Versionen der Maschine im Modell; wir bilden hier aber ein solches Exemplar der slowakischen Armee aus dem Jahr 1943 ab, deren Maschinen an der Ostfront eingesetzt waren.

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Klare und saubere Linien zeichneten die Konstruktion aus, welche Eleganz und strukturelle Stärke vereinte.

Das Original:              Die Fw 189, das Fliegende Auge des Heeres

Unter Leitung Prof. Kurt Tanks von Erhard Kosel beim Bremer Flugzeugbauer Focke-Wulf auf eine Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums von 1937 hin konstruiert und im darauffolgenden Jahr geflogen, wurde die Fw 189 „Uhu“ der meistgenutzte Typ für Nahaufklärung, aber auch für Kurierflüge und Störeinsätze über dem Gefechtsfeld in der Luftwaffe. Zwischen 1939 und 1944 wurden über 830 Exemplare in drei Hauptversionen gebaut und an allen Fronten der Wehrmacht, vornehmlich aber in Russland mit großem Erfolg eingesetzt.

Die überaus zweckmäßige, robuste und dabei technisch anspruchsvolle Ganzmetall-Konstruktion hatte bei einer Länge von 12,30 m und einer Spannweite von 18,40 m ein Leergewicht von 2.830 kg. Mit drei Mann Besatzung flog die von zwei luftgekühlten Argus As 410 12-Zylinder-Reihenmotoren angetriebene Maschine bei einer normalen Reichweite von 670 km rund 360 km/h schnell. Die fast vollverglaste Kabine war auf den Mittelteil der Tragfläche aufgesetzt und bot nahezu unbegrenzte Sicht für den Piloten, den Beobachter/ Navigator und den Bordmechaniker/ Heckschützen. Die Motorgondeln befanden sich vor den Fahrwerkschächten und Benzintanks in den beiden Leitwerksträgern, die durch die Tragfläche liefen und am Heck durch das Höhenleitwerk verbunden waren. Dies sicherte neben der hervorragenden Sicht und einem guten Schussfeld für beide Abwehrstände zugleich eine hohe Festigkeit der Konstruktion.

Wertvoll

Nicht wenige Fw 189 kamen von gegnerischer Flak und Jägern recht lädiert dennoch wieder heim – entsprechend beliebt war der Typ bei seinen Besatzungen. Seine Bewaffnung bestand neben den erwähnten beiden rückwärtigen Abwehrständen mit je einem 7.9 mm MG (später je einem Zwillings-MG) aus zwei starr eingebauten 7,9 mm MG in den Tragflächenwurzeln; dazu konnte an vier Aufhängungen unter den Flächen je eine 50 kg-Bombe mitgeführt werden.

Die entscheidende Ausrüstung bestand jedoch aus Reihenbild- und Handkameras: die zeitkritischen taktischen Aufklärungsflüge von oft behelfsmäßigen Flugplätzen aus und in niedriger Höhe über der Front gaben dem Typ den Ehrentitel „Fliegendes Auge des Heeres“ und waren von unschätzbarem Wert für die Kampfführung. Entsprechend waren die Nahaufklärer vorrangiges Ziel der gegnerischen Luftabwehr und wurden daher wo immer möglich von eigenen Jägern begleitet.

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Die Spannweite des Originals von 18,40 m kommt auch im Modell zur Geltung.

In Lizenz

Der allgemeinen Praxis in der deutschen Rüstung folgend wurde auch die Serienfertigung der Fw 189 vom bremischen Stammwerk in Luftfahrtfirmen verbündeter oder okkupierter Staaten ausgelagert, um eigene Kapazitäten für „hochsensible“ Typen freizuhalten. So wurde der Uhu in der Tschechei und in Frankreich gefertigt, teilweise von den dortigen Flugzeugbauern sogar in Lizenz weiterentwickelt oder variiert.

Nach Kriegsende konstruierte die Sowjetunion auf der Basis des Uhu ein eigenes Flugzeug gleicher Aufgabenstellung. Die von P. Suchoi betreute Entwicklung wurde intensiv getestet, aber nicht in Serie gebaut.

In slowakischen Farben

Nach Trennung von der Tschechei war die Slowakische Republik von 1939 bis 1945 abhängig von und verbündet mit den Achsenmächten; ihre Armee erhielt Rüstungsgut vornehmlich vom Deutschen Reich. Dazu zählten auch Flugzeuge insbesondere zur Heereskooperation wie die hierzu prädestinierte Focke-Wulf Uhu. Unabhängig vom eigentlichen Kampfwert wurden diese Maschinen dabei wohl wesentlich propagandistisch genutzt, sie symbolisierten in Bild- und Textberichten die Phalanx von Verbündeten Deutschlands in Ost- bis Südosteuropa, welche sich vom Reich modern ausgerüstet dem Angriff auf die Sowjetunion angeschlossen hatten.       

Konnten wir Sie neugierig auf mehr machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum in der Ulmer Straße direkt am hannoverschen Messegelände freuen! 

sb

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 „Schnell mal nachschauen, bitte…“ Diese dringende Anforderung der Heeresverbände brachte die Nahaufklärer der Luftwaffe binnen kürzester Zeit in die Luft.

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Unteransicht unserer Fw 189. Beachte die Landescheinwerfer in den Flächen und den teilverglasten Cockpitboden.