Modell des Monats September 2026
Der Mensch im All:
Die Wostok-Mission
Vom Original zum Modell
Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.
Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Ansicht, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeug- und Flugkörperbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.
Die Wostok
Heute bringen wir Ihnen, liebe Leser, mit unserem Modell des Monats, der sowjetrussischen Wostok-Raumkapsel im Maßstab 1/24 von Revell Inc. USA, den ersten bemannten Raumflug der Menschheitsgeschichte in Erinnerung.

Das Modell
Der Revell/Monogram-Bausatz im großen Maßstab 1/24 kam erstmals 1969 auf den Markt und zeigt die Wostok-Raumkapsel samt Versorgungsmodul und der letzten, dritten Raketenstufe des R7-Trägersystems. In dieser Konfiguration umrundete Juri Gagarin im April 1961 als erster Mensch im All unseren Planeten. Die einzelnen Module der über 30 cm langen Miniatur können zur Präsentation per Drehverschluss getrennt werden. Ebenso ist der Schleudersitz des Kosmonauten aus der Kabine zu ziehen und gibt den Blick auf die angedeutete Instrumentierung der Kapsel frei.

Die Detailtreue des zuletzt 2011 als „Revell Classics“ wieder aufgelegten Kits war bei Erscheinen 1969 erstaunlich: Mitten im Kalten Krieg, nur wenige Jahre nach dem Wostok-Programm mit sechs erfolgreichen Flügen, deren Details Staatsgeheimnis der UdSSR waren und kurz vor der „eigenen“, US-amerikanischen Mondlandung legten die Hersteller eine hoch originalgetreue Miniatur mitsamt Kosmonautenfigur vor. (Denkbar, dass ganz bewusst auch diese populär-edukative Ebene im Aufklärungs- und Spionagewettlauf zwischen den Supermächten politisch unterstützt und genutzt wurde.)

Wir haben uns mit dem Bau ´out oft he box´ begnügt, doch bietet der Kit viele Möglichkeiten zur individuellen Superdetaillierung – Fotos und Pläne sind ja inzwischen frei verfügbar…
So bewunderten wir bei www.scalemates zum Beispiel ein Modell mit kompletter farbiger Verkabelung am Versorgungsmodul über der Reliefwiedergabe des Kits.
Das Original
Doch nun zum Vorbild der Miniatur, welche zusammen mit der US-Mondlandefähre und der sowjetischen R7-Trägerrakete des Sputnik-Satelliten in der Schnellflug-Abteilung unserer Modellsammlungen steht: Dem Raumschiff des ersten Menschen im Weltraum.

Nächst der Erarbeitung wissenschaftlicher und technischer Grundlagen des Raketen- und Weltraumfluges in Deutschland waren jene in Russland und dann verstärkt in der Sowjetunion die weltweit führenden. Mit der Verfügbarkeit des deutschen A4/ V2-Programms nach Kriegsende 1945 entwickelten die Siegermächte USA und UdSSR, nachfolgend Frankreich und Großbritannien, gleichermaßen wissenschaftlich wie militärisch orientierte Raumfahrtprogramme. Dabei zeigte sich zur Überraschung (& zum Schrecken) des Westens die Sowjetunion als lange Zeit überlegen. Neben einem hohen Grad an technischer Abilität wurde dies begünstigt durch ein totalitäres System, welches Prioritäten willkürlich definierte, Widerstände ausschloss und Kräfte optimal bündelte.
Nach dem ersten künstlichen Satelliten Sputnik („Trabant“) 1957 sowie zwei weiterer erfolgreicher Forschungsflüge weiterentwickelter Sonden folgte 1961 der erste bemannte Weltraumflug. Die USA blieben in diesem Prestige-, Wissenschafts- und Wettrüsten (Die R7 war zunächst als Interkontinentalwaffe konzipiert) bis zu ihrer bemannten Mondlandung 1969 stets nur Zweite.

Der Tag
Nichts war mehr wie zuvor nach diesem 12. April 1961. Vom sowjetischen Kosmodrom Baikonur, von dem aus bereits die Sputnik-Satelliten gestartet worden waren, erhob sich eine dreistufige R7-Trägerrakete mit dem 27jährigen Fliegermajor Juri Gagarin in einer Raumkapsel als Nutzlast in den Himmel über Kasachstan. Nach einer Flugzeit von 108 Minuten und einer Erdumrundung in maximaler Höhe von 327 Kilometern landete die Kapsel nach Abtrennung der verschiedenen Antriebs- und Versorgungseinheiten mit dem ersten Kosmonauten am Fallschirm auf der Erde in der Nähe des Startplatzes. Nichts war mehr wie zuvor. Ein Mensch hatte die Erde vom Weltall aus gesehen, hatte den Planeten umrundet und war zurückgekehrt aus dem Sternenmeer. Er hatte Gott nicht als alten Herrn auf einem Wolkenthron gefunden, aber dafür eine Ahnung vom Maß der Schöpfung. (Wenngleich die kommunistische Staatsdoktrin das seinerzeit etwas anders formulierte.)
Insgesamt wurden von 1961 bis zum Sommer 1963 sechs Wostok-Missionen erfolgreich durchgeführt – u.a. mit Valentina Tereschkowa als erster Frau im All und mit 119 Stunden Flugzeit und 81 Erdumläufen des Kosmonauten Valeri Bykowski.

Von der Internationalen Luftfahrtföderation FAI wurde der 12. April denn auch zum „Internationalen Tag der Luft- und Raumfahrt“ erklärt. Gewürdigt wird damit nicht allein die Pioniertat Gagarins und des gesamten Wostok-Programms, sondern darüber hinaus der Aufbruch der Menschheit ins All, und damit letztlich auch ein neues Bewusstsein der Bedingungen ihrer Existenz.

Neugierig auf mehr?
Konnten wir Sie neugierig machen auf unsere Sammlungen mit über 40 Originalen und originalgetreuen Nachbauten von Segel-, Leicht-, Verkehrs- und Militärflugzeugen, noch einmal so vielen Triebwerken und Hunderten von Ausrüstungsgegenständen sowie unserer Modellsammlung? Dann freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände!
sb
Kontakt zum Autor der Modell-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Autor-MdM



