Ende einer Ära: 

Die Fiat C.R. 42 Falco

Vom Original zum Modell

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Die Fiat C.R. 42 in 1/72 von der britischen Revell-Tochter, 1965.

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen als „Modell des Monats“ die Fiat C.R. 42 Falco vor. Mehrere Miniaturen dieses weltweit letzten Doppeldecker-Jagdflugzeuges finden sich in verschiedenen Versionen in den Vitrinen der Ausstellungshalle 2.

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Im Krieg wechselte das satte Grün der Oberseiten italienischer Kampfflugzeuge zu einer Flecktarnung von Sandgelb mit Olivgrün.

 

Das Modell:                            Fiat C.R. 42 Falco (Revell, 1/72)

Dieser Bausatz der britischen Revell-Tochter mit 29 Teilen und Schiebebildern kam 1965 auf den Markt und war ein Jahr später auch in Deutschland erhältlich. Unser Exemplar aus dem Museumsfundus datiert nach dem Kartonbild aus den 1970er Jahren; die Schiebebilder funktionierten fast 50 Jahre nach Druck noch tadellos…Hut ab!

Unser Exemplar zeigt eine Maschine von der 85. Staffel, 18. Gruppe der italienischen Luftwaffe, welche zum Ende der Luftschlacht um England im Herbst 1940 in Belgien lag.

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Auch heute noch ein schöner Bausatz – der zudem Möglichkeiten zur zeitgemäßen Detaillierung lässt. Wir allerdings haben diese Falco fast so gebaut, wie sie 1965 gemeint war…

Das Original:                          Letzte ihrer Art: die C.R. 42 Falco

Die italienische C.R. 42 als Vollendung der renommierten Konstruktionsreihe von einsitzigen Fiat-Jagddoppeldeckern hob im Mai 1938 vom Boden ab. Entworfen von Celestino Rosatelli („C.R.“), war die ansprechende und agile „Falco“ (Falke) die letzte ihrer Art – und geboren aus einer Fehlbeurteilung. Tatsächlich brachte danach keine Nation mehr einen Fronteinsatzjäger in der Auslegung als Doppeldecker mit starrem Fahrwerk und offenem Cockpit heraus.

Die sehr gute Einsatzbilanz des Vorgängers C.R. 32 im spanischen Bürgerkrieg brachte die italienischen Militärs zur Überzeugung, dass die anerkannte Wendigkeit und leichte Bauart von Doppeldeckern weiterhin allen Anforderungen des Luftkampfes genügten, und so wurde die Produktion der C.R. 42 in Auftrag gegeben. Doch waren die Luftsiege der italienischen und nationalspanischen Piloten vor allem Folge eines höheren Ausbildungsstandes sowie optimierter Einsatzführung und oft gegen bereits zersplitterte republikanische Einheiten zustande gekommen – und also nicht vorrangig technisch begründet. Tatsächlich waren mit der Polikarpov I-16 Rata und der Messerschmitt Bf 109 da bereits die wegweisenden Konstruktionen am spanischen Himmel erschienen – und die verkörperten Geschwindigkeit, Steigvermögen und Feuerkraft.

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Auch die Unteransicht des Modells zeigt die gelungene Formgebung des Originals – italienisches Design halt…

Klassenbeste

Fraglos aber stellte die neue C.R. 42 eine so erhebliche Weiterentwicklung zur C.R. 32 dar und zeigte sich als leistungsstärkster aller Doppeldecker-Jäger, dass die Entscheidung zur Massenfertigung zu jenem Zeitpunkt, übrigens auch auf Votum der italienischen Jagdflieger selbst, nachvollziehbar ist. Insgesamt 1.780 Stück aller Versionen verließen dann ab 1939 die Werkhallen und waren den zweiten Weltkrieg hindurch bei der Regia Aeronautica, aber auch in Ungarn, Schweden, Belgien und bei der deutschen Luftwaffe im Einsatz – neben ihrer intendierten Rolle als Abfangjäger auch als Nachtjäger, Jagdbomber, Trainer und in der Nahunterstützung des Heeres.

Zur Zeit ihrer Einführung mit durchaus modernen Werkstoffen und konstruktiver Finesse wie (stoffbespanntem) Metallgitterskelett, einem Dreiblatt-Metallpropeller und einem aerodynamisch verkleideten 14-Zylinder-Doppelsternmotor Fiat A.74 RC.38 versehen, wurde sie doch umgehend von den Ganzmetall-Eindeckern mit Einziehfahrwerk und meist Reihenmotor technisch und leistungsmäßig überholt – übrigens auch von italienischen Typen selbst. In Einsatznischen noch erfolgreich, war sie insgesamt schon bei Kriegseintritt Italiens ein zwar schönes und sauber konstruiertes, doch verwundbares Flugzeug.

Bei einer Länge von 8,26 m und einer Spannweite von 9,70 m flog sie bei einem maximalen Startgewicht von 2.295 kg gut 450 km/h schnell – in den Serienversionen.

In einem Versuchsexemplar hält sie bis heute den Rekord als schnellstes Doppeldeckerflugzeug der Welt: Im Zuge der Verwendung deutscher V-Motoren durch Italien wurde 1941 ein Exemplar der C.R. 42 mit einem Daimler-Benz DB 601A Reihenflugmotor bestückt, mit welchem sie 515 km/h erreichte. Zu einer Serienfertigung der „C.R. 42 DB“ kam es jedoch nicht – die wenigen importierten und in Lizenz gebauten Triebwerke wurden moderneren Konstruktionen wie der Fiat G. 50 (zur G.55) und der Macchi MC. 200 (zur MC. 202 & 205) zugewiesen.

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Im Herbst 1940 gaben C.R. 42 der italienischen Luftwaffe ein kurzes Gastspiel an der Kanalküste – eine heute fast vergessene Episode der Luftschlacht um England. Einen dieser Jäger zeigt unser Modell. Beachte die ergänzte Verspannung aus gezogenem Grat.

Ende einer Ära

Die tendenziell leichte Motorisierung und Bewaffnung italienischer Kampfflugzeuge zugunsten der Agilität limitierte schließlich auch hier den Einsatzerfolg. Zunächst mit je einem 7,9mm und 12,7mm MG armiert, bekamen spätere Versionen der Falco zwei schwere SAFAT-MG im Bug installiert. Auch diese Feuerkraft indes zeigte sich im Kriegsverlauf als immer weniger ausreichend.

Und doch schlugen sich die „Falken“ in den ersten rund 15 Monaten der italienischen Beteiligung am Krieg recht ordentlich, insbesondere vom südöstlichen Mittelmeerraum bis nach Nordafrika. 1941/´42 aber mussten sie leistungsmäßig endgültig aus der Tagjagd herausgezogen und als leichte Jagdbomber und Erdkämpfer genutzt werden. Als Fortgeschrittenentrainer, aber auch zur hellen Nachtjagd sowie für Nachtstöreinsätze zeigte sich die Fiat C.R. 42 dann noch bis Kriegsende erfolgreich, auch bei der deutschen Luftwaffe, die nach der italienischen Kapitulation 1943 etliches Fluggerät des ehemaligen Verbündeten übernahm bzw. beschlagnahmte und einsetzte.                                                 

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!             sb

 

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Eine C.R. 42 der deutschen Luftwaffe. Für Unterstützungsaufgaben stand sie dort ab 1943 bis Kriegsende im Einsatz. Fotografiert in der Vitrine von Fremd- und Beuteflugzeugen der LW in der Ausstellungshalle 2.

Schwanengesang…

die Me Bf 109 G-10

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In unserer Reihe ´Modell des Monats´ stellen wir Ihnen dieses Mal die Messerschmitt Bf 109 G-10 vor, die letzte in nennenswerter Zahl gebaute Version des Standardjagdflugzeuges der deutschen Luftwaffe und ihrer Verbündeten im zweiten Weltkrieg.

Das Luftfahrtmuseum zeigt eine aus dem Mittelmeer geborgene und komplett restaurierte G-2, verschiedene Exemplare der Daimler-Benz-Motoren DB 601, 603 und 605 sowie Modelle aller Baureihen der „109“ in den gängigen Maßstäben.

 

Das Modell:                Die 109 G-10 von Revell in 1/72

Inzwischen auch schon ein Klassiker wie sein Vorbild ist der Revell-Bausatz aus Bünde mit 37 Teilen plus Schiebebildersatz aus den 1990er Jahren. Sauber ausgeführt, fein detailliert und passgenau, lässt er die Wahl zwischen zwei Maschinen der deutschen Luftwaffe im letzten Kriegswinter. Wir haben uns jedoch für einen Jäger der königlich ungarischen Streitkräfte aus dem Frühjahr 1945 entschieden.

 

Das Original:              Sterbender Schwan

Tja, die „109“: 1935 unter Prof. Willy Messerschmitt in den Bayerischen Flugzeugwerken in Augsburg entworfen und in die Luft gebracht, ist ein Superlativ der Luftfahrt. Das mit rund 35.000 Stück meistgebaute deutsche Flugzeug bis heute, der weltweit meistgebaute Jäger (wahrscheinlich insgesamt, zumindest aber aller Kolbenmotorflugzeuge) und der Flugzeugtyp, auf dem die meisten Luftsiege erkämpft wurden. Rekordinhaber und Sieger zahlreicher Flugwettbewerbe in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg, war der einsitzige Ganzmetalltiefdecker mit Einziehfahrwerk und geschlossenem Cockpit ein Meilenstein der Aviation und das Standardjagdflugzeug der zweiten deutschen Luftwaffe, im Einsatz auch bei fast allen verbündeten und einigen neutralen Staaten bis 1945 – und in einigen Luftwaffen sogar Jahre darüber hinaus.

Bis zur Baureihe F und ins Jahr 1942 Spitzentechnologie, war die Baureihe G der notwendige Versuch zur Balance von Leistung und Robustheit, diversen taktischen Profilen und Produktionsvereinfachung des Typs. Die Focke-Wulf 190 übernahm die leistungsmäßige Führungsposition in der deutschen Jagdwaffe bis zum Erscheinen der Me 262, gegnerische Entwicklungen überflügelten die „109“ konstruktiv zunehmend – doch die Piloten, welche darauf zu „Assen“ geworden waren, fingen diesen Verlust durch Vertrautheit mit und Vertrauen in das Flugzeug auf und hielten den Typ in der Einsatzbilanz an der Spitze.

Das Entwicklungsteam in Augsburg arbeitete derweil fieberhaft an der ständigen Optimierung: Stärkere Motoren und Bewaffnung ohne Einbußen an der Aerodynamik bei gleichzeitig zunehmend angespannter Rohstoff- und Produktionslage in der kleinen Zelle unterzubringen, ohne die Massenfertigung zu beeinträchtigen, stellte eine immense Herausforderung dar, die immer schwerer zu bewältigen war.

Abfangjagd

War die Version G-6 noch der klassische Kompromiss von Leistung, Einsatzspektrum und Fronttauglichkeit, ließ die Kriegslage im Jahr 1944 nur noch die Anforderungen reiner Luftverteidigung gegen eine nun übermächtige Allianz zu: Steigleistung, Gipfelhöhe, Geschwindigkeit und Feuerkraft. Mit dem Daimler-Benz DB 605 D, 685 km/h und Armierungen bis zu einer 30 mm-MK und zwei 13 mm-MG war die G-10 die schnellste und stärkste Version der 109, ein reiner Abfangjäger – und doch nur noch in den Händen erfahrener Piloten den besten alliierten Konstruktionen ebenbürtig. Im Vergleich zur G-6 aerodynamisch wieder „sauberer“ und dem Erscheinungsbild der Baureihe F angeglichen, nivellierten die Kriegslage und der allgegenwärtige Mangel an Personal, Material und Treibstoff auf deutscher Seite um die Jahreswende 1944/45 doch zumeist die Stärken dieser Konstruktion. So wurde das markante Motorgeräusch der G-10 zum Schwanengesang nicht allein der 109, sondern der ganzen Luftwaffe.

In Lizenz

Die königlich ungarische Luftwaffe, Magyar Királyi Légiero in der Landessprache, erhielt noch bis kurz vor Kriegsende verschiedene Flugzeugtypen deutscher Herkunft, so neben der Me Bf 109 der Baureihen F und G vor allem die zweimotorige Me 210, die Bomber Junkers Ju 86 und 87 und den Nahaufklärer Focke-Wulf Fw 189 in nennenswerten Zahlen.

Die Me Bf 109 wurde dort auch in Lizenz gebaut; einige jener Exemplare gingen sogar zur deutschen Luftwaffe. Die letzten Versionen der 109, die in kleinen Stückzahlen der ungarischen Luftwaffe zuliefen, waren G-14 und G-10. Unser Modell zeigt eine solche Maschine aus der Schlacht um Budapest vom Dezember 1944 bis Februar 1945; es waren die letzten koordinierten Einsätze der Magyar Királyi Légiero. 

sb

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch des Luftfahrtmuseums in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!                           

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Foto 1: Eine Me Bf 109 G-10 der ungarischen Luftwaffe aus dem Revell-Bausatz in 1/72.

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Foto 2: Der permanent montierte Zusatztank war Standard ab der Baureihe G, der DB 605 D machte zusammen mit der schweren Bewaffnung eine überarbeítete Bugverkleidung der G-10 nötig.

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Foto 3: Die letzte Version der 109 stand bis Kriegsende im Einsatz, so auch in der Schlacht um die ungarische Hauptstadt.

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Foto 4: Wie bei der deutschen Luftwaffe waren Farbgebung und Kennzeichnung der ungarischen Maschinen zum Kriegsende von striktem Sichtschutz bestimmt. Der Farbauftrag bei unserem Modell

erfolgte ausschließlich durch Pinsel.

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Foto 5: Nur die Unterseite bot im Frühjahr 1945 noch die vollständigen Nationalitätskennzeichen.

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Foto 6: „Familienfoto“: Eine G-10 der II. Gruppe des JG 7 wie vom Revell-Bausatz vorgesehen und unsere ungarische Ausführung.

 

Das Beste zum Schluss:  Die Fokker D VII

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Die Fokker D VII im Maßstab 1/72 von Revell. Das Original 104 Jahre, der Modellbausatz etwa halb so alt, und dieses Exemplar wurde vor ca. 30 Jahren gebaut…

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen als „Modell des Monats“ die Fokker D VII vor. Verschiedene Miniaturen dieses wohl besten deutschen Jagdflugzeuges im 1. Weltkrieg finden sich in den Vitrinen der Ausstellungshalle 1.

Fok DVII a

Die schwarzmetallenen Streben waren bei Görings Maschine zumindest zeitweise ebenfalls weiß gestrichen.

 

Das Modell:                            Fokker D VII (Revell, 1/72)

Dieser Bausatz der us-amerikanischen Revell-Mutterfirma mit 29 Teilen und Schiebebildern gehörte seit den 1960er Jahren zum Sortiment der Kalifornier. Ab und an bekam der im Guss unveränderte Kit einen neuen Decal-Satz und ein neues Kartonbild spendiert, während er Generationen von jungen Modellbauern begleitete. Die nach heutigen Maßstäben deutlich zu starken Streben und Tragflächenprofile sorgten dabei für eine hohe Stabilität des Modells und eine geringe Frustrationsrate der Kundschaft…

Unser hier im Bild vorgestelltes Exemplar wurde 1993 von der Revell AG in Bünde auf den europäischen Markt gebracht, und bot zwei Dekorationen zur Wahl: die farbenprächtige Maschine des Oberleutnants Rudolf Berthold und das ganz in Weiß gehaltene Flugzeug vom letzten Kommodore des JG 1, Hermann Göring, beide aus dem Jahr 1918.

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Alles in allem 680 kg Holz, Stoff, Metall und Gummi – das war, exzellent kombiniert, 1918 genug, um den Himmel zu dominieren… Die Nachbildung kommt mit ein paar Gramm Polystyrol aus.

Das Original:                          Das Beste zum Schluss…

Nach dem ersten echten Jäger im Truppendienst, der E I/ II/ III von 1915/ ´16 bauten die Fokker Flugzeugwerke auch den stärksten des ersten Weltkrieges: Die Fokker D VII, Siegerin des deutschen Jäger-Vergleichsfliegens im Januar 1918, war vom Chefkonstrukteur Reinhold Platz unter wesentlicher Beteiligung des Gründers des „Fokker Aeroplanbau“ in Schwerin, Anthony Fokker selbst, entwickelt worden, um die Ende 1917 von den Alliierten errungene Luftüberlegenheit an der Westfront zu egalisieren.

Der konventionell ausgelegte einsitzige Doppeldecker mit starrem Fahrwerk und 6-Zylinder-Reihenflugmotor D IIIa von Mercedes, später auch ein BMW IIIa, war mit zwei synchronisierten 08/15-Maschinengewehren armiert. Bei einer Länge von 6,95 m hatte er eine Spannweite von 8,90 m; seine Höchstgeschwindigkeit betrug mit dem BMW-6- Zylinder-Reihenmotor 205 km/h. Der Rumpf war über geschweißtem Stahlrohrrahmen stoffbespannt, wie es sich bereits bei vorherigen Fokker-Konstruktionen bewährt hatte. Die Tragflächen waren aus Holz gefertigt, ebenfalls mit Stoff bespannt und zueinander wie zum Rumpf hin abgestrebt. Das Seiten- und Höhenleitwerk war eine stoffüberzogene Stahlrohrkonstruktion. Dies ergab eine bemerkenswerte strukturelle Stärke der Maschine, welche sich in überlegener Festigkeit bei hoher Wendigkeit zeigte.

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Die Spannweite von 8,90 m hat sich im Modell auf etwas über 12,3 cm verkleinert. Die Flügel des Originals waren effektiv freitragend, jedoch zusätzlich untereinander verstrebt.

Technisch ausgereift

Im April 1918 erreichten die ersten D VII die Einsatzverbände, bereits im Juni galt sie den britischen und französischen Piloten als gefährlichster Gegner. Hervorragend ausbalanciert, kampfstark und dabei fliegerisch gutmütig, war die D VII bei ihren Piloten ausgesprochen beliebt, die auf diesem technisch wohl ausgereiftesten Flugzeug seiner Zeit im letzten halben Jahr des Krieges noch erhebliche Abschusszahlen verzeichneten.

Tatsächlich stand die Fokker D VII als einziger Flugzeugtyp explizit erwähnt ganz oben auf der alliierten Forderungsliste des vom besiegten Reich auszuliefernden Rüstungsgutes. Um die komplette Demontage samt Abtransport der Fertigungsanlagen durch die Siegermächte zu verhindern, verbrachten Anthony Fokker und seine Belegschaft, was davon transportabel war, per Eisenbahn in seine neutral gebliebene niederländische Heimat, wo er die Firma in Amsterdam neu gründete – und den niederländischen Streitkräften die D VII als „Antrittsgeschenk“ mitbrachte. Die Fertigung des Typs lief dann noch über neun Jahre bis 1928, und bis Mitte der 1930er Jahre standen die letzten der insgesamt ca. 3.300 gebauten Exemplare im aktiven Dienst. Unter den 19 Staaten, welche den Typ schließlich nutzten, waren nach Deutschland und den Niederlanden auch Dänemark, die Schweiz und die USA. Briten und Franzosen testeten ihre Beutemaschinen intensiv, die Erkenntnisse daraus flossen in folgende Konstruktionen ein. 

sb

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum in der Ulmer Straße direkt am hannoverschen Messegelände freuen! 

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Was auf den ersten Blick an der D VII etwas eckig anmutete, zeigte sich im Einsatz als kompakte Kraft. So konnte die Maschine stabil „am Propeller hängend“ nach oben feuern.

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Unteransicht der Fokker D VII. Auch diese Perspektive vermittelt die schnörkellose Funktionalität der Konstruktion.  

Mädchen für alles…

Die Vought OS2U Kingfisher

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In unserer Reihe ´Modell des Monats´ stellen wir Ihnen heute die Vought OS2U Kingfisher vor, das erste Eindecker-Katapultflugzeug der US Navy und eines der besten Mehrzweck-Marineflugzeuge der Luftfahrtgeschichte.

Das Modell:                                       Hin und her übers Meer

Vom US-Hersteller mpc nach der ursprünglichen Airfix-Gußform von 1967 in den 1980er- Jahren herausgebracht, war das ein durchdachter und passgenauer, kurz: ein schöner 1/72er Bausatz mit 65 Teilen und der Wahl zwischen einer farbenprächtigen Vorkriegsmaschine mit Fahrwerk und der Ausführung mit Zentralschwimmer aus dem zweiten Weltkrieg. Wir haben unseren Kit aus dem großen antiquarischen Fundus des Luftfahrtmuseums Hannover gebaut.

Das Original:                                      Mehrzweck, weltweit

1937 entworfen, flog der Prototyp dieses zweisitzigen Mehrzweck-Marineflugzeuges im Juli 1938. Zwei Jahre darauf erreichten die ersten Serienmaschinen die Einsatzverbände der US-Navy. Das erste amerikanische Katapultflugzeug in Eindecker-Auslegung wurde neben der Hauptversion als Schwimmerflugzeug auch mit Radfahrwerk produziert, und sowohl von schwimmenden Einheiten wie auch von Küstenflugplätzen aus eingesetzt – als Aufklärer, Flottenbeobachter und leichter Bomber, als Seenotretter, zur Küstenpatrouille und für Sonderaufgaben. „Mädchen für alles“ sagte man einmal dazu.

Insgesamt wurden gut 1.800 Stück in vier Hauptversionen gebaut; der „Eisvogel“ war das meistverwendete Katapultflugzeug auf US-amerikanischen Kreuzern und Schlachtschiffen im zweiten Weltkrieg und weltweit, zumeist jedoch im Pazifik anzutreffen. Die britische Royal Navy erhielt 1942 im Rahmen der Waffenhilfe rund 100 als „Kingfisher Mk I“ bezeichnete Maschinen.

Kompakt und stabil

Angetrieben wurde die OS2U von einen Pratt & Whitney R-985-SB3 Wasp Junior Sternmotor von 450 PS, welcher der Maschine bei einer Spannweite von 10,95 m, Länge von 10,25 m und einem Startgewicht von 2.722 kg eine Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h verlieh. Ihre Einsatzreichweite betrug 1.850 km. Armiert war sie mit einem starren MG in der rechten Tragfläche und einem beweglichen MG für den Beobachter, beide vom Kaliber 7,62mm, sowie einsatzbedingt mit Bombenschlössern unter den Flächen für 2 Bomben oder Wasserbomben. Wie alle Marineflugzeuge kompakt und stabil gebaut, trotzte sie erfolgreich ebenso rauer See wie feindlichem Beschuss – und war damit bei ihren Besatzungen entsprechend beliebt.

Noch größere Verehrung freilich bezeugten der Kingfisher all jene von diesem Flugzeug und seiner Crew aus dem Wasser gezogenen abgeschossenen oder verunfallten Fliegern, und so bleibt sie neben ihrem Job als „Auge der Flotte“ auch als Lebensretter der US Navy in Erinnerung. 

sb

Konnten wir Sie neugierig machen, mehr zu entdecken? Dann würden wir uns über Ihren Besuch in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!     

 

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Foto 1: Die OS2U Kingfisher mit Zentral- und Stützschwimmern von mpc in 1/72.

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Foto 2: Die Kabinenhauben waren auch im Flug zumeist teilweise geöffnet – im Falle eines Falles sicherte dies schnelles Ausbooten...

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Foto 3: Um die Schwimmerversion an Land zu bewegen, wurden Laufräder montiert – nicht zu verwechseln mit dem echten Fahrwerk der landgestützten Ausführung.

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Foto 4: Robust und gedrungen, dabei zweckmäßig konstruiert und durchaus gut proportioniert: der Kingfisher („Eisvogel“) war ein gelungener Entwurf.

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Foto 5: Unteransicht der OS2U mit Abwurfwaffen – auch in der bewaffneten Aufklärung und als Störflugzeug bewährte sich der Typ.

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Foto 6: Meerwasser und Sonnenlicht setzten der Lackierung zu und machten häufige Ausbesserungen nötig. Beachte das flexible MG unter den gegenläufig aufschiebbaren Haubenteilen.

Neue Papiere… Die Avia C-2

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Die Avia C-2 im Maßstab 1/72. Hier im Dienst des VZLU Letnany bis 1958 – und ohne deutsches MG 17 im Bug.

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In unserer Reihe ´Modell des Monats´ stellen wir Ihnen heute mit der Avia C-2 den tschechoslowakischen Nachbau des deutschen Schulflugzeuges Arado Ar 96 vor.

Neben Miniaturen verschiedener Ar 96 zeigt das Luftfahrtmuseum in der Modellvitrine 88 der Halle 2 ein Exemplar der Avia C-2, geflogen von einer Polizeifliegerstaffel der CSR im Kalten Krieg.

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Vor der Halle… Neben der Tschechei fertigte auch Frankreich die Arado 96 und exportierte sie nach dem zweiten Weltkrieg unter eigenem Namen in Drittländer:

 

Das Modell:                Die Avia C-2 von KP in 1/72

Dies war 1980 ein solider Bausatz mit 32 Teilen plus Schiebebildersatz von Kovozávody Prostejov (KP) aus der damaligen CSSR. Sauber ausgeführt, fein detailliert und recht passgenau, lässt er die Wahl zwischen drei Maschinen der tschechoslowakischen Luftfahrt von 1948 bis 1958. Eine ausführliche, mehrsprachige Bau- und Farbanleitung samt Historischem Abriss runden den guten Gesamteindruck ab.

Der Kit gehörte zu einer Serie von rund 15 Bausätzen, welche Flugzeugmuster in tschechoslowakischen Farben aus den 1920er bis 1970er Jahren versammelte – sowohl dortiger Entwicklung als auch lizenzgefertigte wie zugewiesene Typen.

Unsere Fotostrecke zeigt im Modell eine Maschine der tschechoslowakischen Luftfahrtforschungs- und Prüfanstalt („VZLU“) aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre – genutzt für rein aerodynamische Studien, gleichwohl noch in militärischer Farbgebung, während bereits die Aufteilung in einen zivilen und militärischen Zweig der Einrichtung begonnen hatte. 

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Das Modell gibt die elegante wie zweckmäßige Linienführung der Konstruktion wieder. Die Farbgebung dieser C-2 folgt dem damaligen Muster der tschechoslowakischen Luftwaffe, das Bug-MG ist eingebaut


Das Original:              Arado 96B zur Avia C-2:  Neue „Papiere“

1938 hob die von Walter Blume konstruierte zweisitzige Arado Ar 96 erstmals vom Boden ab, im Jahr darauf wurde das seinerzeit wohl modernste Schul- und Trainingsflugzeug bei der deutschen Luftwaffe in Dienst genommen. Mit an die Einsatzmuster angeglichenen Konstruktions- und Leistungsmerkmalen – Ganzmetalltiefdecker mit geschlossener Kabine, Einziehfahrwerk, Funk und verschiedenen Rüstsätzen – ließ die Maschine eine Ausbildung auf Topniveau zu. Und wurde im zweiten Weltkrieg folgerichtig sogar für leichte Frontaufgaben verwandt.

Ausgelagert

Wenigen Exemplaren der A-Serie folgten über 2.800 Stück der mit dem Argus As 410 A-1 stärker motorisierten B-Serie, deren Großserienbau der allgemeinen Praxis folgend in Flugzeugwerke der Satellitenstaaten oder besetzter Länder ausgelagert wurde, um die deutschen Rüstungsbetriebe zu entlasten.

Zur Produktion der Ar 96 wurden führend die Avia-Flugzeugwerke in Prag bestimmt. Bereits im Lizenzbau erfahren, nahmen die 1919 gegründeten Werke auf Weisung ab 1940 den Großserienbau der Ar 96 auf, im Laufe des Krieges übrigens ergänzt von der Messerschmitt Bf 109.

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Der Bausatz von KP brauchte seinerzeit keinen Vergleich mit westlichen Kits zu scheuen:

 

Erbstück

Nach dem Krieg lief die Produktion fast ohne Unterbrechung, jedoch unter neuem Namen weiter. Von der nun Avia C-2 genannten Konstruktion wurden bis 1949 nochmals gut 400 Exemplare gefertigt, Exporte dieses „Erbstücks“ gingen nach Bulgarien, Ungarn und an weitere Halter im damaligen Ostblock. In der CSR selbst stellte der Typ das Standardmuster der Luftstreitkräfte für Ausbildung und Training sowie für Polizei-, Grenzschutz- und Unterstützungsaufgaben bis zum Jahr 1955, nach und nach ersetzt von sowjetrussischen und dann eigenen Konstruktionen.

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum in der Ulmer Straße direkt am hannoverschen Messegelände freuen!                                         sb

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Unsere Avia C-2 in Himmelblau. Beachte das Staurohr und den Landescheinwerfer unter den Tragflächen.

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