Junkers F 13

f13 001

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 600 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat, sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In diesem Monat wollen wir uns das erste Verkehrsflugzeug der Welt, die Junkers F 13 anschauen. Sie ist als originalgetreuer Nachbau in der Halle 1 in Szene gesetzt, daneben präsentiert das Museum einige Maßstabsmodelle dieses Typs in seiner Ausstellung.

f13 002

Das Modell:                            Junkers F 13 (Revell, 1/72)

Von der Revell GmbH in Westfalen kommt dieser, 2020 neu aufgelegte und so schöne wie anspruchsvolle PVC-Bausatz mit rund 75 Teilen und Schiebebildsatz für zwei Versionen im Maßstab 1/72.

Hier abgebildet ist eine Maschine der Danziger Luftpost im Jahre 1923. Im Museum befinden sich in den Modellvitrinen gegenüber der originalgetreuen Replik einer Junkers F 13 verschiedene Ausführungen des Typs in der Zusammenschau.

Der Freistaat Danzig, von den Siegermächten des ersten Weltkrieges per Dekret geschaffen und aus dem Deutschen Reich gelöst, balancierte politisch wie wirtschaftlich zwischen Polen, dem Völkerbund als „Garantiemacht“ und Deutschland. Die willkürliche und schmerzhafte Trennung bot jedoch auch Chancen – speziell für den im Reich de facto unterbundenen Flugzeugbau samt Export und den Luftverkehr. So entwickelte sich der Danziger Flughafen zum Verkehrsdrehkreuz zwischen Skandinavien, dem Baltikum, Polen und dem Westen – und zum „Verkaufssalon“ deutscher Flugzeugbauer, in erster Linie Junkers. Die verschiedenen Danziger Luftfahrtunternehmen wie der Lloyd Ostflug und die Danziger Luftpost waren mit dem Dessauer Unternehmen eng verbunden.

Das Original:                        Das erste Verkehrsflugzeug der Welt

Prof. Hugo Junkers, Erfinder, Konstrukteur und Unternehmer, ist auch eine der großen Persönlichkeiten der Luftfahrtgeschichte. Inhaber einer Vielzahl von Patenten, baute er 1915 das erste Ganzmetallflugzeug der Welt, 1919 mit der Junkers F 13 das erste Verkehrsflugzeug, welches wegweisend für die gesamte Zivilluftfahrt wurde. Wie viele von Junkers´ Konstruktionen errang der Typ verschiedene Weltrekorde, und war für ein Jahrzehnt das meistgenutzte Passagier- und Postflugzeug weltweit. Und dies trotz massiver Einschränkungen und Behinderungen durch die Vorgaben der Siegermächte des Weltkrieges und ihre ´Alliierte Kontrollkommission´ bei Produktion und Betrieb von Fluggerät in Deutschland. Die konstruktive Idee dieses mit Duraluminium („Wellblech“) beplankten Tiefdeckers führte über die G 23/24 und W 33, und fand in der Ju 52/3m, der weltberühmten ´Tante Ju´, ihren Höhepunkt und Abschluß. Auch diese ist übrigens in Originalteilen und in diversen Modellen im Museum zu erleben.

f13 003Völkerverbindende Hightech …

Die F 13, in verschiedenen Motorisierungen und Versionen insgesamt rund 320mal gebaut, steht jedoch auch für die luftfahrttechnische Erschließung der Erde als „völkerverbindend kulturell-zivilisatorischer Mission“, wie Hugo Junkers formulierte.

Als sie im Juni 1919 erstmals flog, war sie ein Wunderwerk der Technik – mit einer geschlossenen, heizbaren Kabine für vier Passagiere am sichersten Punkt der Maschine: auf der dicken Tragfläche. Durchgehende Fenster an beiden Kabinenseiten ermöglichten hervorragende Sicht, der Ein- und Ausstieg geschah über gesicherte Trittstufen an Rumpf und Tragfläche sowie Türen. Die beiden Piloten saßen zwischen Kabine und Motor in einem nur halb geschlossenen Cockpit mit Doppelsteuer. Das Fahrwerk war gefedert, Tragfläche und Leitwerk waren für eine stabile Fluglage optimiert. Die gesamte Konstruktion gehorchte der Forderung nach höchstmöglicher Sicherheit und Bequemlichkeit sowie Zuverlässigkeit im Betrieb. Und verkörpert dabei eine zeitlose technische Ästhetik.

Erkundungen und Erschließung von Luftverkehrswegen auf fast allen Kontinenten sind mit der F 13 verbunden, sie flog in den Farben der meisten Luftfahrtnationen, bildete eine Zeit lang das Rückgrat des Flugzeugbestandes der Deutschen Luft Hansa.  Und ist als echter Klassiker der Luftfahrtgeschichte natürlich im Luftfahrtmuseum Hannover-Laatzen zu erleben – in Originalgröße und als Modell!

Datenblatt:

Länge, Höhe, Spannweite: 9,60; 4,10; 17,75 m

Gewicht: 1.170 (leer); 2.000 (gesamt) kg

Besatzung + Passagiere: 2 + 4

Motor: 1 BMW IIIa oder Junkers L5 6 Zyl/ Reihe mit rund 250 PS

Geschwindigkeit/ max. Reichweite: 160 km/h/ 950 km

F13 4                     

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!
sb

 

Bildunterschrift (F13_1): “Die Junkers F 13 schuf im Jahr 1919 die Kategorie Verkehrsflugzeug.“

Bildunterschrift (F13_2): “In den Farben des Freistaates Danzig. Die Junkers F 13 von Revell in 1/72.“

Bildunterschrift (F13_3): “Der werksseitig schwarze Teilanstrich der Maschinen war den stark ölenden Motoren geschuldet.“

Bildunterschrift (F13_4): “Diese Aufnahme der Teilmontage zeigt u.a. die fein strukturierten Oberflächen des Modells.“

KontaktzumMuseum3