Bloch MB 152

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die rund 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen hier in der Reihe ´Modell des Monats´ das französische Jagdflugzeug MB 152 aus dem Hause Marcel Bloch alias Marcel Dassault vor, einem der ganz großen Namen der Luftfahrtgeschichte.

Das Modell

Auch dieses Mal haben wir uns für einen altehrwürdigen und gegen weitaus detailliertere und anspruchsvollere neue Bausätze entschieden & sind mit dem 1/72-Heller-Kit von 1965 auf der Memory Lane unterwegs; er kommt wie andere hier beschriebene Modelle aus dem großen antiquarischen Lager des Luftfahrtmuseums, wir dürften nach dem Kartondesign ein Exemplar aus den 80er Jahren erwischt haben. In seiner Zeit ein hervorragender Bausatz, vom Pariser Unternehmen mit berechtigtem Stolz als Musée-Edition apostrophiert, hat er 38 Teile plus Schiebebildersatz für eine Maschine der 1. Staffel, 3. Gruppe des 1. Geschwaders der französischen Luftwaffe von 1940.  Heute übliche Feinheiten lässt der Bausatz verständlicherweise vermissen, dafür bietet er Einblicke in die Technikgeschichte von Original und Modellbau gleichermaßen.

Das Original: Klassiker in Nebenrolle - die MB 152

In seinen letzten Versionen wahrscheinlich das leistungsstärkste Jagdflugzeug Frankreichs während des zweiten Weltkrieges, war der Start dieses kleinen Abfangjägers durchaus etwas holperig – im Wortsinn: beim ersten Versuch kam die Maschine nicht vom Boden ab… erklärlich durch die vom damaligen Wettrüsten diktierte Hast in Konstruktion und Erprobung.

Auf eine Ausschreibung der französischen Luftwaffe von 1934 hin hatte Marcel Blochs technischer Leiter Maurice Roussel unter der Typnummer MB 150 diesen einsitzigen Tiefdecker mit dem 14-Zylinder-Doppelsternmotor Gnôme-Rhône 14Kfs entworfen. Am 29. September 1937 gelang der verbesserten MB 150-1M mit vergrößerten Tragflächen, Messier-Fahrwerk und Gnôme-Rhône-14N07-Motor dann der problemlose Jungfernflug. In der Folge erreichte die Maschine Geschwindigkeiten von 430 km/h. Neben einem vergrößerten Ölkühler erhielt sie im Verlauf der Erprobung einen stärkeren Gnôme-Rhône-14N21 mit 1030 PS und größere Ruderflächen.

 

Kinderkrankheiten
Unterdessen brauchte Frankreichs Luftwaffe wegen des sich abzeichnenden Waffengangs mit Deutschland jeden modernen Jäger, und das sofort. Die inzwischen aus der MB 150 weiterentwickelte MB 151 von 1938 litt jedoch unter fortgesetzten Ölkühlermängeln und Stabilitätsproblemen um die Nickachse. Probleme gab es außerdem im konstruktiven Serienbau einiger Komponenten.

Deshalb wurde als Alternative parallel die MB 152 entworfen, die schließlich den Gnôme-Rhône 14N49 mit 1100 PS nutzte. Bis Kriegsausbruch waren von der Konstruktion 249 Stück ausgeliefert, überwiegend MB 152. Weitere 500 dieses Typs wurden umgehend nachgeordert.

Bei Beginn der deutschen Offensive im Mai 1940 hatte die Armée de l´Air dann 140 MB 151 und 363 MB 152 im Truppendienst. Zusätzlich betrieben die französischen Marineflieger 16 MB 151. 146 bestätigte Abschüsse deutscher und italienischer Flugzeuge konnten die Bloch-Jäger in den sechs Wochen bis zum Waffenstillstand verbuchen: fraglos respektabel unter den bekannten Umständen des Zusammenbruchs.

Nachleben
Mit der Kapitulation der französischen Streitkräfte endete jedoch bereits im Juni 1940 die Produktion der MB 152 bei Werknummer 699. 1941 wurde dann das Konkurrenzmodell aus den späten 30er Jahren, die Dewoitine D 520, zum Standardjäger der Vichy-Luftwaffenverbände bestimmt. (Im Gegensatz zum Versailler Friedensdiktat der Alliierten 1919 beließ das Deutsche Reich dem besiegten Gegner eine Luftwaffe mit modernster Ausstattung – wenngleich begrenzt und unter Auflagen.) Neben den bei französischen Einheiten verbliebenen Exemplaren wurden in der Folge rund 170 MB 152 als Schulflugzeuge von der deutschen Luftwaffe übernommen und auch in kleiner Zahl an den Waffenbruder Rumänien abgegeben. Bereits 1939 hatte Griechenland als einziger Exportkunde 25 MB 151 bestellt, doch nicht mehr alle Exemplare dieses Loses erhalten.

Als weiter optimierte Variante der MB 150-Familie entstand noch 1940 die MB 155. Sie hatte vergrößerte Rumpftanks, eine glatte Motorhaube und ein leicht zurückgesetztes Cockpit. Die allerdings lediglich etwa 30 Stück dieses Musters bei den Vichy-Streitkräften wurden nach den Landungen der Alliierten in Frankreich von den deutschen Behörden eingezogen; ihre Spur verliert sich bei der Luftwaffe im Herbst 1944. Als Schlusspunkt der Typenserie schließlich flog 1942 ein mit Genehmigung deutscher Behörden entwickelter MB 157-Prototyp rund 700 km/h schnell und damit auf Augenhöhe mit den besten Kolbenmotorkonstruktionen beider Seiten, zu einer Serienproduktion kam es jedoch nicht mehr. Tatsächlich verhinderten wohl politische Bedingungen und der Kriegsverlauf die Karriere, welche der Konstruktion zuzutrauen gewesen wäre. Und so musste sich dieser potenzielle Klassiker mit einer Nebenrolle begnügen. Ganz anders sein geistiger Vater…

Der Luftfahrtpionier und -unternehmer Marcel Bloch, Spross einer jüdischen Arztfamilie aus dem Elsass, nahm nach Krieg, Internierung und Deportation bei Rückkehr nach Frankreich das Pseudonym Marcel Dassault an. Unter jenem, von seinem Bruder in der Résistance genutzten Decknamen führte er die Entwicklung und den Bau von Zivil- und Militärflugzeugen fort. Wegweisende Konstruktionen wie die Kampfflugzeuge Mystère, Mirage und Etendard oder auch das Geschäftsreiseflugzeug Falcon entstammen seither den von ihm begründeten Fabriken. 
sb

 

Steckbrief der MB 152

Einsitziger Ganzmetalltiefdecker für Abfangjagd, 1939
Antrieb: ein Doppelsternmotor Gnôme-Rhône 14N49 mit 1100 PS Startleistung, Dreiblatt-Verstell-Luftschraube
Länge: 9,11 m
Spannweite: 10,53 m
Geschwindigkeit: 512 km/h in 6000 m Höhe
Steigzeit auf 4000 m Höhe: 6 min 12 s
Reichweite: 560 km
Bewaffnung: zwei 20 mm Hispano-Suiza-Maschinenkanonen HS 404 mit je 60 Schuss und zwei 7,5 mm MAC-1934-Maschinengewehre mit je 300 Schuss in den Tragflächen

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Kontrast: Die saubere Linienführung der MB 152 in der gewollt unsauberen Flecktarnung der Armée de l´Air von 1940.

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Der kompakte Jäger mit Doppelsternmotor war auch der Me Bf 109 ein gefährlicher Gegner. Beachte hier den am Boden beigeklappten unteren Antennenmast und den Schleifsporn am Heck.

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Details. Das Messier-Einziehfahrwerk, das Visier auf dem Rumpfbug vor dem geöffneten Cockpit und die langläufige 20mm-MK in der Tragfläche.

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Das recht weit vorn angeordnete Cockpit wurde in späteren Versionen leicht zurückversetzt. Das Geschwader-Emblem vor der Rumpfkokarde zeigt einen antiken griechischen Bogenschützen.

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Unteransicht der Bloch 152. Wie bei der Bf 109 E ist das Höhenleitwerk noch abgestrebt. Das Fahrwerk zieht jedoch zur Rumpfmitte hin ein, was der Konstruktion eine größere Spurbreite und so höhere Stabilität bei Start und Landung verlieh.