Focke-Wulf Fw 56 Stösser

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die rund 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen in der Reihe ´Modell des Monats´ das Schul- und Kunstflugzeug Focke-Wulf Fw 56 „Stösser“ vor, die erste Konstruktion unter Leitung Prof. Kurt Tanks beim Bremer Flugzeugbauer. Neben einer Handvoll privater Halter wurde dieser Schirm-Hochdecker vor allem von der deutschen Luftwaffe als Fortgeschrittenentrainer und Übungsjagdflugzeug genutzt. Das Museum zeigt mehrere Versionen der Maschine im Modell; wir bilden hier ein Exemplar der ungarischen Luftwaffe ab, die wie die Streitkräfte der Republik Österreich einige Maschinen flog.

 

Das Modell:                Hellers „Stösser“ als Magyare

Unser 1/72-Kit mit 34 Teilen und Schiebebildersatz ist der klassische Bausatz von Heller aus Frankreich, erstmals auf dem Markt im Jahr 1977. Wie von diesem Hersteller gewohnt ist auch dieser Bausatz sauber konstruiert und passgenau ausgeführt, er war in seiner Zeit von hoher Detailtreue.

Statt der beiden dort angebotenen deutschen Ausführungen haben wir uns jedoch, angeregt von einer Lizenzausgabe des Kits durch SMER aus Tschechien, für eine Nachbildung eines der etwa fünfzehn nach Ungarn exportierten Exemplare entschieden, welche dort 1942 zur Jagdschulung im Dienst standen.

Das Original:              Jagdspiele – Kurt Tanks Fw 56         

Im November 1933 hob der Prototyp der Focke-Wulf Fw 56 vom Boden ab. Prof. Kurt Tank zeichnete für dieses einsitzige Sport- und Schulflugzeug verantwortlich, das als Schirmeindecker in Gemischtbauweise mit freitragendem Hauptfahrwerk und Hecksporn ausgelegt war. 1935 vom Reichsluftfahrtministerium zum Standardmuster für die Fortgeschrittenenausbildung sowie als „Heimatschutzjäger“, d.h. Behelfsjagdflugzeug der neuen, zweiten deutschen Luftwaffe ausgewählt, wurde die Fw 56 in der Tradition des Bremer Flugzeugbauers Focke-Wulf mit einem Vogelnamen belegt: „Stösser“ vulgo Sperber: Durchaus feinsinnig, ist dieser gewandte Flieger doch ein kleiner Greifvogel, und so der passende Pate für die Ausbildung des Jagdfliegernachwuchses.

An die Maschinen!

Rund 700 Exemplare dieses Typs standen dann von 1937 bis weit in den zweiten Weltkrieg hinein bei den Ausbildungseinheiten der deutschen und weiterer Luftwaffen im Dienst. Exporte gingen nach Ungarn, Bulgarien, Bolivien und in die Sowjetunion. Die Luftwaffe der Republik Österreich als erste Exportnehmerin allerdings musste ihre Exemplare nach Jahresfrist und dem Anschluss an das Deutsche Reich noch einmal umlackieren…

Angetrieben vom Argus As 10C 8-Zylinder-Reihenflugmotor mit 220 PS, wartete die Fw 56 bei einer Spannweite von 10,50 m und einer Länge von 7,70 m mit einigen konstruktiven Besonderheiten auf. So war das Seitenleitwerk als Endstück des Rumpfes ausgebildet und die Höhenflosse lag aus Stabilitätsgründen davor auf. Die heute eher umständlich anmutende Schirmeindeckerauslegung folgte der damals noch verbreiteten Auffassung, der zukünftige Standardjäger der Luftwaffe werde, ausgerichtet an engem Kurvenkampf und gewünschter Rundumsicht für den Piloten, ebenfalls ein Hochdecker sein.  

Weltmeister im Kunstflug

Das kam dann zwar mit der Me Bf 109 und auch der Fw 190 anders, doch war diese Auslegung der Konstruktion in der Ausbildung vorteilhaft und brachte vor allem eine hohe Festigkeit bis hin zum Kunst- und Sturzflug mit sich. Dabei steigerte sich die Höchstgeschwindigkeit in speziellen Versuchen von 275 km/h im Horizontalflug auf bis zu 450 km/h. Im Jahr 1936 wurde Gerd Achgelis auf einer Fw 56 Weltmeister im Kunstflug und demonstrierte das Leistungsvermögen des Musters auf anschließender Werbetour durch die USA.

In vielen Verwendungen, ob als Sport-, als Kuriermaschine oder Reservejäger, insbesondere aber für die Fortgeschrittenenausbildung von Flugzeugführern, auch der Stuka-, aber speziell der Jäger-Schulen, zeigte die Fw 56 ihre Qualitäten und bleibt mit ihren besonderen Konstruktionsmerkmalen als ein „Charakterflugzeug“ in Erinnerung.                            sb

Fw56 A

Die Focke-Wulf 56 in 1/72 von Heller, hier als ungarisches Schulflugzeug von 1942.

Fw56 B

Der Schirmeindecker war auf Sport und Fortgeschrittenenausbildung ausgelegt. Rumpfband und Tragflächenspitzen dieser Militärmaschine zeigen, man befindet sich auf Seiten der Achsenmächte im Krieg.

Fw56 C

Draufsicht mit Blick ins offene Cockpit. Das Heck schmücken die ungarischen Nationalfarben.

Fw56 D

„Österreich-Ungarn“… Im Hintergrund ein Stösser der Alpen-Republik von 1937 (1/72, Intermodell GmbH), davor unser Übungsjagdeinsitzer, der seine Piloten zu den Me Bf 109 der ungarischen Jagdstaffeln entließ.

Fw56 E

Und so ging´s los: Der Kit vor Baubeginn.   

 

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