Weniger ist manchmal mehr…

die Fieseler Fi 156 Storch

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Die Fi 156 C-3 in Tropenausführung beim Deutschen Afrika Korps 1942. Der Airfix-Kit ist inzwischen gut 55 Jahre alt.

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die rund 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen in der Reihe ´Modell des Monats´ das erste STOL-Flugzeug der Welt, die Fi 156 Storch vor, 1935/36 von Gerhard Fieseler in Kassel als Mehrzweckflugzeug konstruiert und in der Folge von der deutschen Luftwaffe und vielen verbündeten wie neutralen Staaten für Kurier- und Verbindungsflüge, als Nahaufklärer, Sanitätsflugzeug und für Sonderverwendungen eingesetzt.

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Im Maßstab 1/72 gut zu erkennen ist die filigrane Konstruktion – von Original und Modell!

Das Modell:                Der Tropenstorch von Airfix in 1/72

Unser Bausatz mit 52 Teilen und Schiebebildersatz wurde 1967 von Airfix auf den Markt gebracht, und gerade als Vintage Classic wieder einmal editiert. Aus den beiden möglichen Versionen, einer A-1 und einer C-3/ Trop., haben wir letztere als eine Maschine des Deutschen Afrika Korps im Jahr 1942 gebaut. Nicht ohne Rührung und Respekt vermerken wir Anspruch und Qualität des Kits aus einer Distanz von inzwischen rund 55 Jahren.

Das Luftfahrtmuseum zeigt einige Modelle des Typs in verschiedenen Ausführungen; wir nehmen mit unserem Exemplar mal Kurs auf Tobruk und El Alamein…

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Das Original:              Eine neue Art von Flugzeug

1936 war der Motorflug gerade dreiunddreißig Jahre alt, und seit Anbeginn galt es als Ziel, höher, schneller, weiter zu fliegen – da erschien die Fieseler Fi 156. Und dieses Flugzeug war um den Anspruch „weniger“ herum konstruiert. Kein Flugzeug konnte langsamer stabil fliegen, keines brauchte weniger Start- und Landebahn, keines konnte auf so ungeeignetem Grund operieren wie diese, Storch benannte Konstruktion. Ja, die Maschine konnte bei genügendem Gegenwind sogar fast in der Luft stehen, damals eine Weltsensation.

Und damit erschlossen sich völlig neue Verwendungen: Die Erkundung und Versorgung bislang aus der Luft unerreichbarer Orte, Such- und Rettungsmissionen in unwegsamem Gelände; dazu war es natürlich ein ideales militärisches Werkzeug als „fliegender Feldherrenhügel“ und überall einsetzbarer Nahaufklärer sowie Flugzeug für Kommandounternehmen. Schließlich war der Storch durch beiklappbare Tragflächen fast problemlos auf Schiene und Straße zum Einsatz zu transportieren.

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General Erwin Rommel nutzte den Storch häufig als „fliegenden Feldherrenhügel“ im Afrikafeldzug. Daneben der unverzichtbare Kübelwagen (Airfix, 1/72).

Technische Delikatesse

Eine solche Konstruktion nennt man heute Short Take Off and Landing – Kurzstart und -Landung. Wie aber hatte der ehemalige Jagdflieger und spätere Kunstflugweltmeister Gerhard Fieseler, der 1927 auch den Motorschlepp für Segelflugzeuge eingeführt hatte, dies mit seinem Team um Prof. Mewes konstruktiv erreicht?

Zunächst einmal ist die von einem Argus AS-10 Achtzylinderreihenmotor angetriebene Maschine für maximal drei Personen mit 930 kg leer ein Leichtgewicht. Zweitens besitzt der abgestrebte Schulterdecker große, für den Langsamflug optimierte Tragflächen mit einer Spannweite von 14,25 m und durchgehenden Vorflügeln – eine britische Erfindung – sowie Landeklappen an den gesamten Flügelhinterkanten. Schließlich sorgt das hochbeinige, feste jedoch gut gefederte Fahrwerk für einen großen Anstellwinkel schon am Boden. Voluminöse Ruderflächen am Leitwerk tun ein Übriges, das 9,90 m lange Flugzeug mit Eigenschaften auszustatten, welche kein anderes Flugzeug bis dahin aufwies.

Die deutsche Luftwaffe, auf deren Ausschreibung hin die Maschine entstanden war, beschaffte rund zweitausend Stück; einige Exemplare der Zivilausführung gingen an private Halter im In- und Ausland, daneben erwarben Japan und die Sowjetunion Lizenzrechte, verbündete Luftwaffen erhIelten Maschinen als Waffenhilfe, und die Morane-Saulnier-Werke im okkupierten Frankreich bauten den Storch auf Weisung in Großserie zur Entlastung der deutschen Rüstung – wobei sie den Typ mit Genehmigung der deutscher Behörden weiterentwickelten. Nach Kriegsende fertigten und vertrieben sie die nun Criquet (Grille) genannte Konstruktion auf eigenen Namen und Rechnung weltweit. Ebenso wurde der Storch in der Tschechoslowakei als K-65 nach dem Krieg weitergebaut und ebenso exportiert.

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Modell ´out oft he box`…

 

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…und Im Bau.  

Klassiker

Doch zuvor hatte die Fi 156 den ganzen Krieg hindurch an allen Fronten im Dienst der Luftwaffe und ihrer Verbündeten gestanden, mit jeweiliger Ausstattung vom Polarkreis bis in die afrikanische Wüste. Wo es der Einsatz verlangte, auch mit einem Maschinengewehr zur Abwehr feindlicher Jäger armiert – dabei war ihre beste „Lebensversicherung“ ihre geringe Geschwindigkeit (von maximal 170 km/h), Mindestflughöhe und hohe Wendigkeit; es war extrem schwer, ein so langsames und zugleich agiles Flugzeug aus der Luft abzuschießen…

Und so ist dieses grazile und leichte Flugzeug mit all seinen besonderen Merkmalen zu Recht ein echter Klassiker der Luftfahrtgeschichte!            

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Ein weiterer und exzellent detaillierter Storch im Luftfahrtmuseum

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen…

sb