Neue Papiere… Die Avia C-2

Avia C 2 01 
Die Avia C-2 im Maßstab 1/72. Hier im Dienst des VZLU Letnany bis 1958 – und ohne deutsches MG 17 im Bug.

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In unserer Reihe ´Modell des Monats´ stellen wir Ihnen heute mit der Avia C-2 den tschechoslowakischen Nachbau des deutschen Schulflugzeuges Arado Ar 96 vor.

Neben Miniaturen verschiedener Ar 96 zeigt das Luftfahrtmuseum in der Modellvitrine 88 der Halle 2 ein Exemplar der Avia C-2, geflogen von einer Polizeifliegerstaffel der CSR im Kalten Krieg.

Avia C 2 01 
Vor der Halle… Neben der Tschechei fertigte auch Frankreich die Arado 96 und exportierte sie nach dem zweiten Weltkrieg unter eigenem Namen in Drittländer:

 

Das Modell:                Die Avia C-2 von KP in 1/72

Dies war 1980 ein solider Bausatz mit 32 Teilen plus Schiebebildersatz von Kovozávody Prostejov (KP) aus der damaligen CSSR. Sauber ausgeführt, fein detailliert und recht passgenau, lässt er die Wahl zwischen drei Maschinen der tschechoslowakischen Luftfahrt von 1948 bis 1958. Eine ausführliche, mehrsprachige Bau- und Farbanleitung samt Historischem Abriss runden den guten Gesamteindruck ab.

Der Kit gehörte zu einer Serie von rund 15 Bausätzen, welche Flugzeugmuster in tschechoslowakischen Farben aus den 1920er bis 1970er Jahren versammelte – sowohl dortiger Entwicklung als auch lizenzgefertigte wie zugewiesene Typen.

Unsere Fotostrecke zeigt im Modell eine Maschine der tschechoslowakischen Luftfahrtforschungs- und Prüfanstalt („VZLU“) aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre – genutzt für rein aerodynamische Studien, gleichwohl noch in militärischer Farbgebung, während bereits die Aufteilung in einen zivilen und militärischen Zweig der Einrichtung begonnen hatte. 

Avia C 2 01

Das Modell gibt die elegante wie zweckmäßige Linienführung der Konstruktion wieder. Die Farbgebung dieser C-2 folgt dem damaligen Muster der tschechoslowakischen Luftwaffe, das Bug-MG ist eingebaut


Das Original:              Arado 96B zur Avia C-2:  Neue „Papiere“

1938 hob die von Walter Blume konstruierte zweisitzige Arado Ar 96 erstmals vom Boden ab, im Jahr darauf wurde das seinerzeit wohl modernste Schul- und Trainingsflugzeug bei der deutschen Luftwaffe in Dienst genommen. Mit an die Einsatzmuster angeglichenen Konstruktions- und Leistungsmerkmalen – Ganzmetalltiefdecker mit geschlossener Kabine, Einziehfahrwerk, Funk und verschiedenen Rüstsätzen – ließ die Maschine eine Ausbildung auf Topniveau zu. Und wurde im zweiten Weltkrieg folgerichtig sogar für leichte Frontaufgaben verwandt.

Ausgelagert

Wenigen Exemplaren der A-Serie folgten über 2.800 Stück der mit dem Argus As 410 A-1 stärker motorisierten B-Serie, deren Großserienbau der allgemeinen Praxis folgend in Flugzeugwerke der Satellitenstaaten oder besetzter Länder ausgelagert wurde, um die deutschen Rüstungsbetriebe zu entlasten.

Zur Produktion der Ar 96 wurden führend die Avia-Flugzeugwerke in Prag bestimmt. Bereits im Lizenzbau erfahren, nahmen die 1919 gegründeten Werke auf Weisung ab 1940 den Großserienbau der Ar 96 auf, im Laufe des Krieges übrigens ergänzt von der Messerschmitt Bf 109.

Avia C 2 01
Der Bausatz von KP brauchte seinerzeit keinen Vergleich mit westlichen Kits zu scheuen:

 

Erbstück

Nach dem Krieg lief die Produktion fast ohne Unterbrechung, jedoch unter neuem Namen weiter. Von der nun Avia C-2 genannten Konstruktion wurden bis 1949 nochmals gut 400 Exemplare gefertigt, Exporte dieses „Erbstücks“ gingen nach Bulgarien, Ungarn und an weitere Halter im damaligen Ostblock. In der CSR selbst stellte der Typ das Standardmuster der Luftstreitkräfte für Ausbildung und Training sowie für Polizei-, Grenzschutz- und Unterstützungsaufgaben bis zum Jahr 1955, nach und nach ersetzt von sowjetrussischen und dann eigenen Konstruktionen.

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum in der Ulmer Straße direkt am hannoverschen Messegelände freuen!                                         sb

Avia C 2 01

Unsere Avia C-2 in Himmelblau. Beachte das Staurohr und den Landescheinwerfer unter den Tragflächen.

KontaktzumMuseum3