Die Fiat C.R. 42 Falco

Vom Original zum Modell

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Die Fiat C.R. 42 in 1/72 von der britischen Revell-Tochter, 1965.

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen als „Modell des Monats“ die Fiat C.R. 42 Falco vor. Mehrere Miniaturen dieses weltweit letzten Doppeldecker-Jagdflugzeuges finden sich in verschiedenen Versionen in den Vitrinen der Ausstellungshalle 2.

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Im Krieg wechselte das satte Grün der Oberseiten italienischer Kampfflugzeuge zu einer Flecktarnung von Sandgelb mit Olivgrün.

 

Das Modell:                            Fiat C.R. 42 Falco (Revell, 1/72)

Dieser Bausatz der britischen Revell-Tochter mit 29 Teilen und Schiebebildern kam 1965 auf den Markt und war ein Jahr später auch in Deutschland erhältlich. Unser Exemplar aus dem Museumsfundus datiert nach dem Kartonbild aus den 1970er Jahren; die Schiebebilder funktionierten fast 50 Jahre nach Druck noch tadellos…Hut ab!

Unser Exemplar zeigt eine Maschine von der 85. Staffel, 18. Gruppe der italienischen Luftwaffe, welche zum Ende der Luftschlacht um England im Herbst 1940 in Belgien lag.

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Auch heute noch ein schöner Bausatz – der zudem Möglichkeiten zur zeitgemäßen Detaillierung lässt. Wir allerdings haben diese Falco fast so gebaut, wie sie 1965 gemeint war…

Das Original:                          Letzte ihrer Art: die C.R. 42 Falco

Die italienische C.R. 42 als Vollendung der renommierten Konstruktionsreihe von einsitzigen Fiat-Jagddoppeldeckern hob im Mai 1938 vom Boden ab. Entworfen von Celestino Rosatelli („C.R.“), war die ansprechende und agile „Falco“ (Falke) die letzte ihrer Art – und geboren aus einer Fehlbeurteilung. Tatsächlich brachte danach keine Nation mehr einen Fronteinsatzjäger in der Auslegung als Doppeldecker mit starrem Fahrwerk und offenem Cockpit heraus.

Die sehr gute Einsatzbilanz des Vorgängers C.R. 32 im spanischen Bürgerkrieg brachte die italienischen Militärs zur Überzeugung, dass die anerkannte Wendigkeit und leichte Bauart von Doppeldeckern weiterhin allen Anforderungen des Luftkampfes genügten, und so wurde die Produktion der C.R. 42 in Auftrag gegeben. Doch waren die Luftsiege der italienischen und nationalspanischen Piloten vor allem Folge eines höheren Ausbildungsstandes sowie optimierter Einsatzführung und oft gegen bereits zersplitterte republikanische Einheiten zustande gekommen – und also nicht vorrangig technisch begründet. Tatsächlich waren mit der Polikarpov I-16 Rata und der Messerschmitt Bf 109 da bereits die wegweisenden Konstruktionen am spanischen Himmel erschienen – und die verkörperten Geschwindigkeit, Steigvermögen und Feuerkraft.

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Auch die Unteransicht des Modells zeigt die gelungene Formgebung des Originals – italienisches Design halt…

Klassenbeste

Fraglos aber stellte die neue C.R. 42 eine so erhebliche Weiterentwicklung zur C.R. 32 dar und zeigte sich als leistungsstärkster aller Doppeldecker-Jäger, dass die Entscheidung zur Massenfertigung zu jenem Zeitpunkt, übrigens auch auf Votum der italienischen Jagdflieger selbst, nachvollziehbar ist. Insgesamt 1.780 Stück aller Versionen verließen dann ab 1939 die Werkhallen und waren den zweiten Weltkrieg hindurch bei der Regia Aeronautica, aber auch in Ungarn, Schweden, Belgien und bei der deutschen Luftwaffe im Einsatz – neben ihrer intendierten Rolle als Abfangjäger auch als Nachtjäger, Jagdbomber, Trainer und in der Nahunterstützung des Heeres.

Zur Zeit ihrer Einführung mit durchaus modernen Werkstoffen und konstruktiver Finesse wie (stoffbespanntem) Metallgitterskelett, einem Dreiblatt-Metallpropeller und einem aerodynamisch verkleideten 14-Zylinder-Doppelsternmotor Fiat A.74 RC.38 versehen, wurde sie doch umgehend von den Ganzmetall-Eindeckern mit Einziehfahrwerk und meist Reihenmotor technisch und leistungsmäßig überholt – übrigens auch von italienischen Typen selbst. In Einsatznischen noch erfolgreich, war sie insgesamt schon bei Kriegseintritt Italiens ein zwar schönes und sauber konstruiertes, doch verwundbares Flugzeug.

Bei einer Länge von 8,26 m und einer Spannweite von 9,70 m flog sie bei einem maximalen Startgewicht von 2.295 kg gut 450 km/h schnell – in den Serienversionen.

In einem Versuchsexemplar hält sie bis heute den Rekord als schnellstes Doppeldeckerflugzeug der Welt: Im Zuge der Verwendung deutscher V-Motoren durch Italien wurde 1941 ein Exemplar der C.R. 42 mit einem Daimler-Benz DB 601A Reihenflugmotor bestückt, mit welchem sie 515 km/h erreichte. Zu einer Serienfertigung der „C.R. 42 DB“ kam es jedoch nicht – die wenigen importierten und in Lizenz gebauten Triebwerke wurden moderneren Konstruktionen wie der Fiat G. 50 (zur G.55) und der Macchi MC. 200 (zur MC. 202 & 205) zugewiesen.

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Im Herbst 1940 gaben C.R. 42 der italienischen Luftwaffe ein kurzes Gastspiel an der Kanalküste – eine heute fast vergessene Episode der Luftschlacht um England. Einen dieser Jäger zeigt unser Modell. Beachte die ergänzte Verspannung aus gezogenem Grat.

Ende einer Ära

Die tendenziell leichte Motorisierung und Bewaffnung italienischer Kampfflugzeuge zugunsten der Agilität limitierte schließlich auch hier den Einsatzerfolg. Zunächst mit je einem 7,9mm und 12,7mm MG armiert, bekamen spätere Versionen der Falco zwei schwere SAFAT-MG im Bug installiert. Auch diese Feuerkraft indes zeigte sich im Kriegsverlauf als immer weniger ausreichend.

Und doch schlugen sich die „Falken“ in den ersten rund 15 Monaten der italienischen Beteiligung am Krieg recht ordentlich, insbesondere vom südöstlichen Mittelmeerraum bis nach Nordafrika. 1941/´42 aber mussten sie leistungsmäßig endgültig aus der Tagjagd herausgezogen und als leichte Jagdbomber und Erdkämpfer genutzt werden. Als Fortgeschrittenentrainer, aber auch zur hellen Nachtjagd sowie für Nachtstöreinsätze zeigte sich die Fiat C.R. 42 dann noch bis Kriegsende erfolgreich, auch bei der deutschen Luftwaffe, die nach der italienischen Kapitulation 1943 etliches Fluggerät des ehemaligen Verbündeten übernahm bzw. beschlagnahmte und einsetzte.                                                 

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!             sb

 

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Eine C.R. 42 der deutschen Luftwaffe. Für Unterstützungsaufgaben stand sie dort ab 1943 bis Kriegsende im Einsatz. Fotografiert in der Vitrine von Fremd- und Beuteflugzeugen der LW in der Ausstellungshalle 2.