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Der fliegende Bleistift…Die Dornier Do 17

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Die Dornier Do 17 Z mit Bramo-Sternmotoren war die mit über 800 Exemplaren meistgefertigte Version des Standard-Kampfflugzeuges der Luftwaffe zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Im Maßstab 1/72 im Museum ausgestellt, wurde dieses Modell von Siegfried Fricke, Hannover gebaut.

Heute stellen wir Ihnen in unserer Reihe ´Modell des Monats´ das zweimotorige Kampfflugzeug Dornier Do 17 von 1934 vor; es war ab 1932 parallel als Postflugzeug für die Deutsche Luft Hansa entwickelt worden, doch stand die militärische Verwendung im Vordergrund. Tatsächlich stellte die Do 17 dann noch im ersten Jahr des zweiten Weltkrieges den Standardbomber und -aufklärer der Luftwaffe.

Die Modelle:              Lückenlos

Das Haus präsentiert alle wesentlichen Versionen der Do 17 im Maßstab 1/72 in seinen Modellvitrinen. Verschiedene Bausatz-Hersteller – Airfix, Monogram, Revell, Lindberg, RS Models, Hasegawa, Frog – und Erbauer aus den Reihen des Museumsvereins bieten dem Betrachter einen Kanon von Exponaten zu diesem Typ, der Luftfahrtgeschichte schrieb.

Der Prototyp der Dornier Do 17 im Maßstab 1/72 in einer Modellvitrine der Halle 2. Gebaut von einem Team um Siegfried Fricke, zeigt dieses Modell die unlackierte Maschine des Erstfluges von 1934 noch mit einfachem Seitenleitwerk und zwei BMW VI-Reihenmotoren.

Das Original:              Der „fliegende Bleistift“ 

Im November 1934 hob der Prototyp der Do 17 vom Boden ab. Der zweimotorige Schulterdecker bestach durch seine saubere Linienführung und besonders schlanken Rumpf, welcher der Maschine in der Seitenansicht den Spitznamen „Fliegender Bleistift“ eintrug. Die Deutschen Luft Hansa erprobte den Typ als Schnellpostflugzeug, zeigte jedoch trotz hervorragender Leistungsmerkmale über drei Exemplare hinaus kein Interesse. Umso mehr die im Aufbau begriffene zweite deutsche Luftwaffe: Man suchte ein Schnellkampfflugzeug für Bomben- und Aufklärungseinsätze und hatte Dornier nachdrücklich zur Konstruktion in dieser Richtung ermuntert.

Eine Do 17 E der deutschen Luftwaffe noch im Vorkriegstarnschema. Dieser Typ flog auch im spanischen Bürgerkrieg. Wie das Exemplar der Serie P entstand auch dieses Modell in der Werkstatt von Siegfried Fricke für die Sammlung des Museums.

Das von Claude Dornier begründete Flugzeugwerk war schon zu dieser Zeit international höchst renommiert. Mit den weltberühmten Flugbooten Do ´Wal´, ´Superwal´ und Do ´X´, den landbasierten Verkehrsflugzeugen wie der ´Komet´ und ´Merkur´ und vielfachen Weltrekorden und Pionierflügen, aber auch Militärflugzeugen wie der Do 23 war genug Expertise vorhanden, um ein Ganzmetall-Mehrzweckmuster für drei bis vier Mann Besatzung auf technischem Toplevel zu bauen.

Sieger

Dies wurde eindrucksvoll beim Internationalen Alpenrundflug für Militärmaschinen 1937 in der Schweiz unter Beweis gestellt, wo die Do 17 verschiedene Konkurrenzen überlegen gewann.

Derweil war die Serienproduktion mit den Baureihen E und F angelaufen und von der Luftwaffe wurden einige Maschinen der Legion Condor überstellt, welche auf nationalspanischer Seite im Bürgerkrieg trotz ihrer moderaten Bombenlast von 1.000 kg sehr erfolgreich agierten und zugleich wertvolle technische und taktische Erkenntnisse brachten.

Die Baureihe P war der Fernaufklärer der Do 17, welcher noch bis Mitte des Krieges in der Frontverwendung stand. Reihenbild- und Handkameras gaben zusammen mit den Beobachtungen der Besatzung unverzichtbare Informationen über die Lage.

Variationen

Kennzeichnend für die Do 17 war die explizit vorgesehene Variation in der Motorisierung. Flogen der Prototyp und die ersten Serien E und F mit je zwei BMW VI 12-Zylinder-Reihenmotoren, ging man bei der zahlenmäßig größten Baureihe Z auf zwei Bramo 323 Fafnir 9-Zylinder-Sternmotoren über, um der Exportversion ´215´ mit Daimler-Benz DB 601 wiederum 12-Zylinder-Reihenmotoren einzubauen. Nennenswerte Anzahlen von Maschinen wurden nach Bulgarien, Finnland und Rumänien im Rahmen der Waffenhilfe und an Jugoslawien geliefert. Der geplante Lizenzbau dort ging jedoch im Krieg und der deutschen Besetzung unter.

Ein weiteres Modell der meistgebauten Version Z schräg von vorn. Markant sind die fließenden Linien des Originals und der weitgehend verglaste Bug.

Verluste

Wie bei anderen deutschen Flugzeugtypen brachte die Luftschlacht um England im Spätsommer 1940 auch für die Do 17 den Karriereknick. Im Blitzkrieg über die ersten knapp zwölf Monate des Krieges hatte sie sich wie die He 111, die Me 110 und Ju 87 in der intendierten Rolle der Kooperation mit den Heeresverbänden in regionalen Einsatzräumen als überlegene Waffe gezeigt, war von der Propaganda geradezu mystifiziert worden. Ja, die Luftwaffe, ihre Besatzungen und Flugzeuge galten als „unbesiegbar“.

Nun aber trafen sie in einer strategischen Offensive über See auf einen vorbereiteten gleichwertigen Gegner, der alle taktischen Vorteile besaß. In diesem nach reinen Flugzeugverlusten unentschiedenen Ringen über Südostengland konnte die Luftwaffe und ihre Speerspitze, die Do 17, die gesteckten Ziele nicht erreichen, die RAF behauptete sich und die Luftherrschaft über der Insel. Mindestens gleich schwer wie dieser Misserfolg wogen die Verluste an friedensmäßig ausgebildeten Besatzungen, welche im Kriegsverlauf nie mehr auszugleichen waren.  

Nachtjagd

Der Nachtjäger Dornier Do 17 Z-10 ´Kauz II´, mit bestechenden Details fürs Luftfahrtmuseum gebaut von Harald Steiner, Langenhagen. 

Die nachtschwarz lackierten Maschinen dieser Baureihe wiesen einen festen Bug mit schwerer Bewaffnung auf. Die wenigen eingesetzten Exemplare zeigten sich zwar erfolgreich gegen britische Nachtbomber, waren aber sehr verwundbar durch diese begleitende Fernnachtjäger DH ´Mosquito´.

Wie andere Typen auch wurde die Do 17 in der Konsequenz aus der ersten Linie abgezogen und in nachgeordneten Schauplätzen und Einsatzarten verwendet. Und sie wurde an die genannten verbündeten Luftwaffen abgegeben, die das Muster noch bis zur Kriegsmitte als Bomber gegen die Sowjetarmee einsetzten. Die Luftwaffe selbst verwendete Umbauten zusammen mit neuen Baureihen des Typs neben der Aufklärung als Kuriermaschinen, Nachtjäger und sogar als Schleppmaschinen für Lastensegler.

Eine grundsätzliche Überarbeitung der Konstruktion ergab das erheblich leistungsgesteigerte Muster Do 217, welches ab 1941 zu den Einsatzverbänden kam – doch das ist eine andere Geschichte…

Datenblatt Dornier Do 17 Z-2

Länge: 15,80 m// Spannweite: 18,02 m// max. Startgewicht: 8.500 kg// Bombenlast: max. 1.000 kg// Abwehrbewaffnung: max. 6 x 7,9 mm MG// Besatzung: 4// Antrieb: 2 x Bramo 323 Fafnir 9-Zylinder-Sternmotor mit je 950 PS// Reichweite: ca. 1.300 km// Geschwindigkeit: 410 km/h// gebaute Exemplare: ca. 800 (alle Versionen total: ca. 2.050).

In der Unteransicht zeigt sich der geschlossene viergeteilte Bombenschacht. Zum Bug hin schließt sich die Bodenwanne mit MG-Stand an. Vor dem Modell platziert ist eine von maximal vier 250kg-Bomben der Do 17. Wenige Jahre später trug der britische Lancaster-Bomber die sechseinhalbfache Bombenlast, die US-amerikanische B-17 mit 7.850 kg die fast achtfache.

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann besuchen Sie uns im Luftfahrtmuseum – über 40 Schul-, Jagd-, Passagier- und Sportflugzeuge, Hubschrauber und Segelflugzeuge im Original, eine große Motoren- und Turbinenabteilung, und rund 1.000 Maßstabsmodelle warten auf Sie!

sb