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Modell des Monats Januar 2026

Blaupause …

Die Arado Ar 80

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Ansicht, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen als ´Modell des Monats´ die Arado Ar 80 von 1935 vor. Der in nur drei Exemplaren gebaute einmotorige Tiefdecker wurde zum Auswahlwettbewerb für den neuen Standardjäger der deutschen Luftwaffe konstruiert.

Die Arado Ar 80 in 1/72. Das Museum präsentiert ein Modell des Jäger-Prototyps in seiner Halle 2.


Das Modell

Vom leider schon lange vom Markt verschwundenen hessischen Kleinserienhersteller HUMA stammt der Bausatz zu unserem Modell der Ar 80. Es zeigt den Prototypen, welcher das Vergleichsfliegen der Konkurrenz um den neuen Standardjäger der zweiten deutschen Luftwaffe bestritt. Der schöne 1/72-Kit mit 26 Teilen samt Schiebebilder-Satz ist heute eine gesuchte Rarität.

Das Original

Die Arado Flugzeugwerke in Potsdam-Babelsberg bauten seit 1925 erfolgreiche Schul-, Sport-, See- und Kampfflugzeuge. So errang das Sport- und Reiseflugzeug Ar 79 mehrere Geschwindigkeitsrekorde, die Ar 96 wurde zum Standardtyp der deutschen Luftwaffe in der Fortgeschrittenenschulung (und nach Kriegsende in Frankreich und der Tschechoslowakei weitergebaut), die Ar 196 war das wohl beste Katapult-Mehrzweckflugzeug im zweiten Weltkrieg. Im letzten Kriegsjahr kam die Ar 234 als weltweit erster Jet-Aufklärer und -Bomber mit wegweisender Technik in den Truppendienst.

Weniger bekannt ist heute noch die Ar 68, Kulmination deutscher Doppeldeckerjäger. Doch führt uns dieses Konkurrenzprodukt zur Heinkel 51 zu unserem heutigen Modell des Monats…

Die Arado Ar 68 E, bester deutscher Doppeldeckerjäger, hier ebenfalls als Miniatur in 1/72, gebaut von Peter Heck, Korschenbroich. Für die Nachfolge stellte Arado die Ar 80 vor.


Denn die Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums für einen neuen Standard-Jäger orientierte sich an den Leistungsmerkmalen der Ar 68 E und dem prognostizierten Entwicklungspotential deren Herstellerfirma. Neben Arado erhielten Heinkel, Focke-Wulf und – etwas überraschend - der Newcomer Prof. Willy Messerschmitt von den BFW Entwicklungsaufträge vom RLM.

Die Ar 80 war bei ihrem Erstflug am 6. Juli 1935 als aerodynamisch ansprechender Ganzmetall-Tiefdecker fast eine „Blaupause“ des zukünftigen Flugzeugbaus, und wurde doch in jenen Jahren großer Technologiesprünge schon im Vergleichstest 1937 leistungsmäßig von den nur minimal jüngeren Konstruktionen deklassiert.

Seitenansicht der Ar 80. Markant der lange, schlanke Rumpf und das Arado-typische Seitenleitwerk.


Konstruiert von Walter Rethel und nach dessen Weggang Walter Blume, war der Wechsel des Chefingenieurs zusammen mit einer zu großen Selbstsicherheit als bisheriger Branchenführer sicherlich ein Faktor des enttäuschenden Abschneidens.

Zwei strukturelle Probleme hatte man nicht befriedigend lösen können: Das vorgesehene Einziehfahrwerk und den Schalenbau des Rumpfes in der angedachten gewichtsparenden Weise, beides technisch damals Neuland.

So wurde der Typ schließlich mit einem festen Federbein-Fahrwerk ausgerüstet, kombiniert mit einem Knickflügel. Ebenso wurde die Maschine insgesamt schwerer als berechnet. Das hatte Zeit gekostet und es kostete Leistung. Damit hatte die Ar 80 im Vergleich zu den beiden großen Würfen Bf 109 und He 112 keine Chance.

Der JuMo 210 C war 1935 der stärkste verfügbare deutsche Flugmotor, die DB 600-Reihe stand noch in der Entwicklung.


Gewinner der Ausschreibung wurde – zu diesem Zeitpunkt noch überraschend - die Messerschmitt Bf 109 vor der leistungsmäßig etwa gleich starken Heinkel 112. Kurt Tank von Focke-Wulf legte seine FW 159 ad acta und begann mit den Arbeiten an der brillanten „190“ – und Arado sortierte sich neu und überzeugte mit den oben aufgeführten Typen anderer Flugzeugklassen.

Unterm Strich war die Ar 80 durchaus ein großer Schritt vorwärts gegenüber den Doppeldeckern, aber sowohl die „109“ als auch die „112“ hatten derer bereits zwei getan. So bleibt die Ar 80 ein fast vergessenes schönes Beispiel der Regel, dass ein großer Wurf viele Entwürfe braucht…

Nachleben

Immerhin wurden die drei Exemplare der Ar 80 noch recht erfolgreich als Erprobungsträger genutzt, der Typ war das erste deutsche Flugzeug mit einer serienreifen sogenannten Motorkanone, die von verschiedenen Herstellern adaptiert wurde. Ebenso entwickelte man die dann sehr erfolgreichen Arado-Landeklappen auf der Ar 80.

Auch in der Unteransicht mit zentralem Kühler zeigt sich die klare Linienführung der Konstruktion. Die Federbeine des Fahrwerks legten einen Knickflügel nahe.


Datenblatt Arado Ar 80 V1 bis 3

Länge 10,10 m, Spannweite 11,80 m, Leermasse 1.645 kg, Startmasse 2.100 kg, Antrieb 1 x Junkers JuMo 210 C  V-12-Reihenmotor mit 610 PS, Höchstgeschwindigkeit 410 km/h, Reichweite 600 km, Besatzung 1, Exemplare 3.

Blick vom Heck ins offene Cockpit. Wie alle deutschen Prototypen der 1930er führte auch die Ar 80 eine zivile Zulassung: hier: D- ILOH


Hereinspaziert!

Konnten wir Sie neugierig machen auf unsere Sammlungen mit über 40 Originalen und originalgetreuen Nachbauten von Segel-, Leicht-, Verkehrs- und Militärflugzeugen, noch einmal so vielen Triebwerken und Hunderten von Ausrüstungsgegenständen sowie unserer Modellsammlung? Dann freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände!         

sb


Kontakt zum Autor der Modell-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Autor-MdM