Das Beste zum Schluss:  Die Fokker D VII

Fok DVII a

Die Fokker D VII im Maßstab 1/72 von Revell. Das Original 104 Jahre, der Modellbausatz etwa halb so alt, und dieses Exemplar wurde vor ca. 30 Jahren gebaut…

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen als „Modell des Monats“ die Fokker D VII vor. Verschiedene Miniaturen dieses wohl besten deutschen Jagdflugzeuges im 1. Weltkrieg finden sich in den Vitrinen der Ausstellungshalle 1.

Fok DVII a

Die schwarzmetallenen Streben waren bei Görings Maschine zumindest zeitweise ebenfalls weiß gestrichen.

 

Das Modell:                            Fokker D VII (Revell, 1/72)

Dieser Bausatz der us-amerikanischen Revell-Mutterfirma mit 29 Teilen und Schiebebildern gehörte seit den 1960er Jahren zum Sortiment der Kalifornier. Ab und an bekam der im Guss unveränderte Kit einen neuen Decal-Satz und ein neues Kartonbild spendiert, während er Generationen von jungen Modellbauern begleitete. Die nach heutigen Maßstäben deutlich zu starken Streben und Tragflächenprofile sorgten dabei für eine hohe Stabilität des Modells und eine geringe Frustrationsrate der Kundschaft…

Unser hier im Bild vorgestelltes Exemplar wurde 1993 von der Revell AG in Bünde auf den europäischen Markt gebracht, und bot zwei Dekorationen zur Wahl: die farbenprächtige Maschine des Oberleutnants Rudolf Berthold und das ganz in Weiß gehaltene Flugzeug vom letzten Kommodore des JG 1, Hermann Göring, beide aus dem Jahr 1918.

Fok DVII a

Alles in allem 680 kg Holz, Stoff, Metall und Gummi – das war, exzellent kombiniert, 1918 genug, um den Himmel zu dominieren… Die Nachbildung kommt mit ein paar Gramm Polystyrol aus.

Das Original:                          Das Beste zum Schluss…

Nach dem ersten echten Jäger im Truppendienst, der E I/ II/ III von 1915/ ´16 bauten die Fokker Flugzeugwerke auch den stärksten des ersten Weltkrieges: Die Fokker D VII, Siegerin des deutschen Jäger-Vergleichsfliegens im Januar 1918, war vom Chefkonstrukteur Reinhold Platz unter wesentlicher Beteiligung des Gründers des „Fokker Aeroplanbau“ in Schwerin, Anthony Fokker selbst, entwickelt worden, um die Ende 1917 von den Alliierten errungene Luftüberlegenheit an der Westfront zu egalisieren.

Der konventionell ausgelegte einsitzige Doppeldecker mit starrem Fahrwerk und 6-Zylinder-Reihenflugmotor D IIIa von Mercedes, später auch ein BMW IIIa, war mit zwei synchronisierten 08/15-Maschinengewehren armiert. Bei einer Länge von 6,95 m hatte er eine Spannweite von 8,90 m; seine Höchstgeschwindigkeit betrug mit dem BMW-6- Zylinder-Reihenmotor 205 km/h. Der Rumpf war über geschweißtem Stahlrohrrahmen stoffbespannt, wie es sich bereits bei vorherigen Fokker-Konstruktionen bewährt hatte. Die Tragflächen waren aus Holz gefertigt, ebenfalls mit Stoff bespannt und zueinander wie zum Rumpf hin abgestrebt. Das Seiten- und Höhenleitwerk war eine stoffüberzogene Stahlrohrkonstruktion. Dies ergab eine bemerkenswerte strukturelle Stärke der Maschine, welche sich in überlegener Festigkeit bei hoher Wendigkeit zeigte.

Fok DVII a

Die Spannweite von 8,90 m hat sich im Modell auf etwas über 12,3 cm verkleinert. Die Flügel des Originals waren effektiv freitragend, jedoch zusätzlich untereinander verstrebt.

Technisch ausgereift

Im April 1918 erreichten die ersten D VII die Einsatzverbände, bereits im Juni galt sie den britischen und französischen Piloten als gefährlichster Gegner. Hervorragend ausbalanciert, kampfstark und dabei fliegerisch gutmütig, war die D VII bei ihren Piloten ausgesprochen beliebt, die auf diesem technisch wohl ausgereiftesten Flugzeug seiner Zeit im letzten halben Jahr des Krieges noch erhebliche Abschusszahlen verzeichneten.

Tatsächlich stand die Fokker D VII als einziger Flugzeugtyp explizit erwähnt ganz oben auf der alliierten Forderungsliste des vom besiegten Reich auszuliefernden Rüstungsgutes. Um die komplette Demontage samt Abtransport der Fertigungsanlagen durch die Siegermächte zu verhindern, verbrachten Anthony Fokker und seine Belegschaft, was davon transportabel war, per Eisenbahn in seine neutral gebliebene niederländische Heimat, wo er die Firma in Amsterdam neu gründete – und den niederländischen Streitkräften die D VII als „Antrittsgeschenk“ mitbrachte. Die Fertigung des Typs lief dann noch über neun Jahre bis 1928, und bis Mitte der 1930er Jahre standen die letzten der insgesamt ca. 3.300 gebauten Exemplare im aktiven Dienst. Unter den 19 Staaten, welche den Typ schließlich nutzten, waren nach Deutschland und den Niederlanden auch Dänemark, die Schweiz und die USA. Briten und Franzosen testeten ihre Beutemaschinen intensiv, die Erkenntnisse daraus flossen in folgende Konstruktionen ein. 

sb

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch im Luftfahrtmuseum in der Ulmer Straße direkt am hannoverschen Messegelände freuen! 

Fok DVII a

Was auf den ersten Blick an der D VII etwas eckig anmutete, zeigte sich im Einsatz als kompakte Kraft. So konnte die Maschine stabil „am Propeller hängend“ nach oben feuern.

Fok DVII a

Unteransicht der Fokker D VII. Auch diese Perspektive vermittelt die schnörkellose Funktionalität der Konstruktion.