Der Sonne entgegen…

Die Boeing-Stearman Kaydet

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Eine Boeing Kaydet im Maßstab 1/72 von Revell, hier als farbenfrohes Schulflugzeug der US-Marineflieger im zweiten Weltkrieg.

 

Heute stellen wir Ihnen in der Reihe ´Modell des Monats´ das einmotorige, zweisitzige Schul- und Sportflugzeug Boeing-Stearman Kaydet vor, Standardmuster für die Ausbildung von Piloten der US-Army und Navy in den 1930er und ´40er Jahren und in den Nachkriegsjahren weitverbreitetes Sport- und Arbeitsflugzeug.

Das Modell:                Anfänger bis Fortgeschrittene

Unser 1/72-Kit mit 29 Teilen und Schiebebildersatz ist der klassische Bausatz von Revell aus dem Jahr 1965/66, überarbeitet 1982 und zuletzt mit neuem Deko-Satz 2010 in Deutschland editiert. Dieser zeigt nun eine Kaydet als S2N-2 (so die Marine-Nomenklatur) vom Stützpunkt Corpus Christi in Texas von 1943. Im Original für die Grundausbildung genutzt, verlangt das Modell als verspannter Doppeldecker schon fortgeschrittene Fertigkeiten vom Erbauer, zeigt sich aber als gutmütiger und passgenauer Bausatz.

„Verspannt“ mit gezogenem Plastikgrat, vermittelt das Modell einen Eindruck vom Fliegen mit Holz, Stoff und Metall samt Draht.

 

Das Original:              Das Flugzeug an und für sich…

1934 wurde die Firma Stearman Teil des Boeing-Konzerns. Im gleichen Jahr beschaffte das USAAC 32 Stück der zweisitzigen Stearman Trainer X70. Mit dieser überschaubaren Bestellung begann eine der großen Erfolgsgeschichten der Luftfahrt. Denn mit den Fertigungskapazitäten Boeings wie eines zielgerichteten Marketings wurde dieser robuste Doppeldecker klarer Linien in verschiedenen, gering modifizierten Serien und Ausführungen mit über 10.500 Exemplaren das Standardmodell sowohl der US-Armeeluftwaffe wie der Marineflieger für die fliegerische Grundausbildung. Zehntausende angehender Piloten und Navigatoren lernten auf diesem Typ – je nach Motorisierung als PT-13, -17 und -18 bezeichnet – nicht allein das Fliegen, sondern auch, was ein Flugzeug an und für sich ist und kann. Weltweit exportiert, wurde der Typ neben seinem Einsatz bei der kanadischen und britischen Luftwaffe auch in China und Südamerika geflogen.

Der Sternmotor, ob von Continental, Lycoming, Wright oder Jacobs, war selten verkleidet und lieferte zwischen 200 und knapp 300 PS; Luftschrauben aus Holz und Metall fanden gleichermaßen Verwendung.

 

Einsteigen!

Mit einer Spannweite von 9,80 m und einer Länge von 7,54 m hatte die in Gemischtbauweise gefertigte Kaydet ein maximales Startgewicht von 1.195 kg und bei einer Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h eine maximale Reichweite von 800 km.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Tausende Kaydets vom Militär an private Halter, Flugschulen und Air Shows verkauft. Eine weitere bemerkenswerte Karriere machte das Flugzeug als Agrarflieger. Seine Verwendung als Sprühflugzeug für Pestizide bei offenem Cockpit wäre heute allerdings undenkbar. (Heißt es doch, wirklich gefährlich wurde es in einer Kaydet erst nach dem Krieg…)

Einst Standard, heute selten: Besatzungsfiguren bei Modellbausätzen. Flugschüler vorn, Lehrer dahinter & alles im Blick…

 

Noch immer aber fliegen weltweit Exemplare der Kaydet und sind auf Flugtagen und Oldtimertreffen vielbestaunte Attraktionen.

Hereinspaziert!

Und auch in unserem Luftfahrtmuseum sind Schul-, Jagd-, Passagier- und Sportflugzeuge, Hubschrauber und Segelflugzeuge im Original und Modell zu erleben: Kommen Sie doch mal vorbei – Sie finden uns in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände!              sb

Unteransicht. Die Signalfarben der Schulmaschinen sollten Unfälle vermeiden helfen – oder immerhin das Auffinden verlorener Maschinen erleichtern.

 

Abstellen, Zündung aus. Im Modell misst das Glück 13,7 cm von einer Flügelspitze zur anderen.