die Shenyang J-5 (MiG 17 F)

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die über 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

In unserer Reihe ´Modell des Monats´ stellen wir Ihnen dieses Mal die Shenyang J-5 vor, den rotchinesischen Lizenzbau der sowjetrussischen MiG 17 F, welche zur Mitte der 1950er Jahre für annährend eine Dekade der Standardabfangjäger des Warschauer Pakts war und sich noch als angegrauter Veteran bis in die 1970er Jahre erfolgreich in der Luftverteidigung Nordvietnams mit amerikanischen Jets herumschlug.

Das Luftfahrtmuseum zeigt ihre Vorgängerin, die MiG 15 im Original und verschiedene Modelle der MiG 15 und 17, u.a. in den Farben der NVA Luftstreitkräfte in den gängigen Maßstäben.

 

Das Modell:    Die MiG 17 F/ Shenyang J-5 von Airfix in 1/72

Seit 2019 unter der Dachmarke Hornby Hobbies auf dem Markt, ist der Airfix-Bausatz mit 84 Teilen plus Schiebebildersatz ein anspruchsvoller und schöner Kit. Sauber ausgeführt und fein detailliert bietet er die Wahl zwischen zwei Maschinen der sowjetischen und der nordvietnamesischen Luftstreitkräfte, letztere als Lizenzfertigung der VR China unter der Bezeichnung Shenyang J-5. Eingesetzt war die dargestellte Maschine des 932. Fliegerregiments im Sommer 1969 von Tho Xuan aus in der Abwehr US-amerikanischer Luftangriffe; sieben Abschüsse gegnerischer Flugzeuge waren auf dem Bug des Jägers zu jener Zeit vermerkt.

Die MiG 17 F von Airfix im Maßstab 1/72, wir haben sie als Shenyang J-5 in den Farben Nordvietnams gebaut.

 

Das Original:  Optimierung eines Klassikers

Phänomenal betrachtet, braucht man eine MiG 15 nur an der Nase festzuhalten & an Schwanz und Flügeln zu ziehen, um nacheinander eine MiG 17, 19 und – mit einem Plopp – eine MiG 21 zu erhalten. Etwas langweiliger formuliert zeigt sich die Reihe von Jagdeinsitzern des Konstruktionsbüros um Mikojan und Gurewitsch als permanente Optimierung von Aerodynamik und Leistung einer bewährten konstruktiven Idee.

Begonnen hatte alles mit der Messerschmitt P 1101 und einem britischen Düsentriebwerk, dem Rolls Royce Nene. Beides gelangte zum Kriegsende in die Hände der Sowjets – der deutsche Jet als Kriegsbeute nur auf Papier (den einzigen Prototypen hatten die Amerikaner mitgenommen), das britische Triebwerk als Waffenhilfe und Zeichen guten Willens der Westalliierten.

Weltweit im Einsatz

Startklar. Die Luftüberlegenheit der USA machte eine provisorische Flecktarnung der MiGs am Boden überlebenswichtig.

 

Diese Spitzentechnologie verband das MiG-Team mit den damaligen eisernen Regeln russischer Militärtechnik: Einfach, funktional, zuverlässig, zweckmäßig. Im Dezember 1947 flog der Prototyp des 10 m kurzen, einsitzigen und einstrahligen Abfangjägers MiG 15 mit um 35° zurückgepfeilten Tragflächen und 2.270 kp Standschub aus dem RD-45F-Triebwerk, einem Nachbau des Nene. Schnell wurde der Typ zum Standardmuster der sowjetischen und verbündeter Luftstreitkräfte weltweit, seine robuste Konstruktion und Wartungsfreundlichkeit bei hoher Leistung machten ihn zu einem Klassiker der Militärluftfahrt.

Bereits 1950 stieg mit der grundlegend überarbeiteten und leistungsgesteigerten MiG 17 (Länge 11,26 m, Flügelpfeilung: 45°, Höchstgeschwindigkeit 1.113 km/h mit dem weiterentwickelten VK-1A-Triebwerk) der Nachfolger auf – während die MiG 15 im Koreakrieg ihre Qualitäten unter Beweis stellte, und sich dort – obwohl für die Abfangjagd und nicht den Luftkampf gebaut – einzig dem US-amerikanischen Topjäger F-86 Sabre unterlegen zeigte. Ein Menetekel: denn über 15 Jahre später war es dieser inzwischen technisch schon überholte Nachfolger, die MiG 17 der Baureihe F, welche im Vietnamkrieg die selbstbewusste US-Luftwaffe erneut düpierte.

Über dem geteilten Lufteinlauf für das Nachbrennertriebwerk VK-1F ist die Bordkamera zu erkennen, die mit den Waffen gekoppelt Abschüsse dokumentierte.

 

In Polen und China lizenzgefertigt, war die MiG 17 (Nato-Code: „Fresco“) ab 1965 in der Luftverteidigung Nordvietnams mit ihrer starken Bewaffnung von 2x 23 mm und 1x 37 mm-MK sowie exzellenter Wendigkeit durch ihre kompakte Form mit großen Steuerflächen in geringen Höhen den weit leistungsfähigeren, jüngeren US-Jets überlegen, welche für hohe Geschwindigkeit in großer Höhe und Luftkämpfe mit weittragenden Raketen ausgelegt waren – jedoch nicht beweglich genug für die enge Kurbelei dicht über dem Dschungel, bei der ihre Lenkwaffen durch den Erdschatten irritiert und zudem von den MiGs ausgekurvt werden konnten: Eine weitere der vielen strategischen und taktischen Frustrationen, welche die USA in ihrem militärischen Engagement in Südostasien erlebten.

Am Heck von einem Ölfass abgestützt, zeigt das Modell in dieser Aufsicht sehr schön die drei Grenzschichtzäune je Fläche und lässt das voll detaillierte Cockpit immerhin erahnen.

 

Ob aus russischen Arsenalen oder rotchinesischem Lizenzbau, ob mit zusätzlichen Außentanks zur Erhöhung der Flugdauer, die bulligen, einfachen Jets blieben (zusammen mit wenigen MiG 19 und MiG 21) in den Händen ihrer hochmotivierten vietnamesischen Piloten bis zum Kriegsende eine ständige Gefahr für die Air Force- und Navy-Piloten – überdies in ihrem ökonomischen Kampfwert eine Provokation der Hochtechnologie. Und wir gestatten uns, sie jenseits aller Politik als „Nordvietnams bissige Pandas“ in respektabler Erinnerung zu behalten.

Unteransicht mit Außentanks; die stimmige Aerodynamik der Konstruktion ist augenfällig. Am Bug ist die schwere Kanonenbewaffnung zu erkennen.       

 

Die NVA der DDR flog alle Versionen der MiG 17, hier eine PF in der Modellausstellung des Museums.

 

Heimkommen. Unsere Shenyang J-5 “auf Glas“ fotografiert. Ganz ohne Photoshop verschwimmt im Gegenlicht der Unterschied von Original und Modell.

 

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann schauen Sie doch einmal im Luftfahrtmuseum in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände vorbei – wir freuen uns auf Sie!

sb