Modell des Monats Oktober 2025
Pfeilflieger …
Die Lohner C 1
Vom Original zum Modell
Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.
Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.
Heute stellen wir Ihnen als ´Modell des Monats´ die Lohner C 1 von 1914/15 vor. Der ob seiner Tragflächenform unverwechselbare, einmotorige und zweisitzige Doppeldecker war bei Kriegsausbruch Standardtyp heimischer Produktion der k.u.k. Luftfahrtruppen Österreich-Ungarns.

Das Modell
Entstanden aus dem Kleinserien-Kit vom Modellbaustudio Rhein-Ruhr durch Günter Gelbke, Hannover, zeigt unser Luftfahrtmuseum das Mehrzweckflugzeug Lohner C 1 in den Farben der Habsburger Doppelmonarchie als (potenziell) bewaffneten Aufklärer 1916.
Das Original
Es war erst elf Jahre her, dass die Gebrüder Wright 1903 in den USA den weltweit ersten dokumentierten Motorflug absolviert hatten, als die europäischen Mächte aus einem Gemenge politischer und ökonomischer Bedingungen und Entwicklungen in jenen Weltkrieg taumelten, den man später den ersten nennen sollte. Und auch die junge Luftfahrt wurde von den Streitkräften der Kontrahenten in Dienst genommen, ihre Aufgaben und Möglichkeiten aber gewannen erst im Kriegsverlauf Gestalt…

In den österreich-ungarischen Streitkräften verfügten die Luftfahrtruppen 1914 über 9 Fliegerkompanien mit je 6 bis 8 Flugzeugen, vornehmlich zur Aufklärung und Artilleriebeobachtung, nur sporadisch zu Angriffen gegen Bodenziele – das war die ganze Luftwaffe einer Großmacht! Zur überschaubaren Zahl eigener Konstruktionen erwarb Wien im Kriegsverlauf bei der Verwandtschaft in Berlin diverse Flugmaschinen, an erster Stelle die Hansa Brandenburg C 1. Später folgten Jagdflugzeuge, schnelle Aufklärer und Bomber. Die bedeutendste Eigenkonstruktion bei Aufnahme des Luftkrieges aber war die Lohner C 1. (Daneben optimierte die Österreichische Flugzeugfabrik AG Oeffag ihren Lizenzbau der Albatros D III wesentlich und schuf so einen erstklassigen Jäger.)
Vom Auto zum Flugzeug: Lohner C 1
Tatsächlich wurde der Doppeldecker mit teilgepfeilten Tragflächen 1914 in den Wagen- und Automobilwerkstätten von Ludwig Lohner in Wien entwickelt und in 43 Exemplaren gebaut. Er hatte bei einer Länge von gut 9,00 m eine Spannweite von rund 13,00 m. Ein Sechszylinder Austro Daimler-Reihenmotor mit 160 PS brachte das Flugzeug mittels einer hölzernen 2-Blatt-Luftschraube auf eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h, das war zu diesem Zeitpunkt für einen – wahlweise mit einem 8 mm MG bewaffneten – Zweisitzer durchaus respektabel.

Dabei offenbarte die Lohner C 1 im Kriegsverlauf nachvollziehbar technische, strukturelle und taktische Schwächen, zu Flugunfällen traten hier massive Verluste im Kampf gegen die italienischen und französischen, später auch britischen Luftstreitkräfte an der Südfront; gegen die russischen Flieger hingegen konnten sich die Luftfahrtruppen den ganzen Krieg hindurch behaupten.
Zum Kriegsende umfassten die Luftfahrtruppen immerhin rund 70 Fliegerkompanien, jedoch stand deren gleichzeitig nur etwa 350 Flugzeugen eine schließlich fast zwanzigfache Übermacht der Westalliierten gegenüber. Die Überlebenserwartung der österreich-ungarischen Flieger an der Front betrug in den letzten beiden Kriegsjahren durchschnittlich vier Monate, der Generalstab rechnete ganz offiziell mit einer personellen Verlustquote von annähernd 100 v.H. …

Das Museum
Konnten wir Sie neugierig machen auf unsere Sammlungen mit über 40 Originalen und originalgetreuen Nachbauten von Segel-, Leicht-, Verkehrs- und Militärflugzeugen, noch einmal so vielen Triebwerken und Hunderten von Ausrüstungsgegenständen sowie unserer Modellsammlung? Dann freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände!
sb
Kontakt zum Autor der Modell-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Autor-MdM



