Unser Buch des Monats Januar 2026
100 Jahre Lufthansa
So ein „Hundertster“ ist schon eine Nummer – bedenkt man, das er locker vier Generationen fliegendes und nicht fliegendes Personals umfasst. Und nicht zu vergessen: ebenso viele Generationen an Fluggästen.
„Unsere Lufthansa“ – man möge mir diese Vereinnahmung verzeihen – ist tatsächlich eine der wenigen noch bestehenden Luftfahrtgesellschaften mit Wurzeln in der Gründerzeit des zivilen Luftverkehrs. Auch wir im Luftfahrtmuseum Hannover-Laatzen wollen dieser besonderen Tatsache in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten des Jahres 2026 Rechnung tragen.
Über die Lufthansa ist bereits viel geschrieben worden. Als Buch des Monats Januar habe ich mir folgenden Titel ausgesucht:
Heinrich Großbongardt / Manfred Knappe / Dietmar Plath
100 Jahre Lufthansa – Alle Flugzeuge und ihre Geschichte
Das Werk ist in Größe, Layout und Umfang dem Thema absolut angemessen: Großformat (270 × 290 mm), reich bebildert – teils mit doppelseitigen Abbildungen –, klar strukturiert und mit seinen 192 Seiten ein ebenso gelungener Blick- wie Lesefänger.
Entsprechend seinem Untertitel widmet sich das Buch dem historischen wie aktuellen Flugzeugpark der Airline. Aus der Gründerzeit werden alle relevanten Muster vorgestellt: von der einmotorigen Junkers F 13 „Anneliese“ der damaligen LUFT HANSA bis zur viermotorigen Focke-Wulf 200, der Rekordmaschine und späteren Langstreckenstütze der LUFTHANSA ab 1933. Die Auswahl und das Format der Fotografien sind durchweg gelungen und laden zum genauen Betrachten ein.
Der Missbrauch des Unternehmens als faktisches Test- und Entwicklungsfeld für die Wiederaufrüstung der deutschen Luftwaffe wird allerdings nur punktuell thematisiert. Hierzu existiert jedoch umfangreiche Sekundärliteratur. Festzuhalten bleibt: Mit dem Jahr 1945 war zunächst Schluss mit Lufthansa. 1951 wurde die 1926 gegründete Luft Hansa AG vollständig liquidiert.
Ein „zweites Leben“ eröffnet das Buch mit der Neugründung der Deutschen Lufthansa Aktiengesellschaft im Jahr 1955. Sie war nicht Rechtsnachfolgerin der Lufthansa des Dritten Reiches, sondern hatte lediglich die Namensrechte erworben. Erste Maschine war die Convair CV-340. Die D-ACEF absolvierte am 1. April 1954 den ersten Linienflug von Hamburg über Düsseldorf und Frankfurt nach München.
Nun beginnt die Geschichte von insgesamt 39 Flugzeugtypen, denen sich die Autoren sowohl im Bild als auch im Text auf ausgesprochen ansprechende Weise nähern. Von der CV-340 mit ihren 18-Zylinder-Sternmotoren Pratt & Whitney R-2800 bis zur Boeing 777-9 mit dem effizienten Hochbypass-Turbofan General Electric GE9X wird jedes Muster ausführlich vorgestellt.
Besonders interessant ist dabei zu lesen, wie stark Luftfahrtgesellschaften mit ihren betrieblichen Anforderungen und strategischen Planungen die Entwicklungen in den Flugzeugwerken beeinflussen. Das Zusammenspiel zwischen Industrie und Dienstleistungsunternehmen wird hier ganz ausgezeichnet herausgearbeitet – für mich die besondere Autorenleistung dieses Werkes. Wie komplex diese Wechselwirkungen sind, zeigt sich nicht zuletzt im Konkurrenzverhältnis zwischen Boeing und Airbus sowie in der Rolle der Lufthansa als Airline im Wettbewerb mit anderen Gesellschaften. Wer sich hier orientieren möchte, sollte dieses Buch unbedingt zur Hand nehmen.
Ein gelungener Einstieg in das Luftfahrt-Bücherjahr 2026.
Mehr zum Buch finden Sie hier.
Und noch ein Buchtipp zum Kranich-Jubiläum: Genau vor einem Jahr habe ich hier den Titel, LUFTHANSA – Ein Jahrhundert Innovation, besprochen. Das Buch gibt es jetzt als aktualisierte Jubiläumsausgabe. Diese Unternehmensdokumentation kann ich auch empfehlen.
Mehr zu diesem Buch finden Sie hier.
Und wer sich über die Parallelentwicklung in Sachen Luftverkehr in der ehemaligen DDR informieren will (was auch sehr spannend ist), wird hier fündig.

Euer Buchpilot24
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