Model ot the month October 2026
Weltluftverkehr:
Die Junkers G 23/ 24
Vom Original zum Modell
Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.
Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Ansicht, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.
Heute stellen wir Ihnen in unserer Rubrik ´Modell des Monats´ die Junkers G 23/ 24 vor, Weiterentwicklung des ersten Verkehrsflugzeuges überhaupt, der Junkers F 13. Mit der G 23 nahm der ökonomisch orientierte Fracht- und Passagierluftverkehr Gestalt an.

Die Modelle
Muster aller nachfolgenden Modellbausätze dieses Typs im Maßstab 1/72 war jener des VEB Plasticart aus Zschopau von 1987. In seiner Zeit fein detailliert und gut konstruiert, wies der anspruchsvolle, rund 45 Teile umfassende Kit samt Schiebebildsatz doch recht dicke Gußäste und Joints auf, und brauchte schon etwas Nacharbeit und Abgeklärtheit beim Bau (aber das ist ja der Reiz der Sache, nicht wahr…).
Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurde dieser Bausatz in Variationen von verschiedenen Firmen auf den Markt gebracht, so auch von der deutschen Revell GmbH. Unser Museum zeigt alle dabei verfügbaren Versionen der G 23/ 24.
Das Original
Der Erstflug dieser „größeren Schwester“ der F 13 aus den Junkerswerken Dessau fand 1924 statt. Drei Motoren statt eines erlaubten neun Passagiere statt vieren, einen höheren Komfort und längere Flugstrecken. Damit knüpfte das Unternehmen an den internationalen Erfolg seines „Wellblechvogels“ F 13 an und etablierte mit diesem „Großflugzeug“ G 23 seine Ideen und technische Ausgestaltung des Weltluftverkehrs.
Der in Ganzleichtmetall mit starrem Fahrwerk ausgeführte Tiefdecker bot den neun Fluggästen nun Einzel-Fenstersessel. Die geschlossene, beheizbare Kabine mit Mittelgang war um einen Gepäck- und Waschraum mit Toilette erweitert. Die bewährten Konstruktionsmerkmale der Junkers F 13 zu Sicherheit und Funktionalität setzten sich in dieser logischen „Streckung“ des Konzepts fort. Und zeigten sich stilbildend für den beginnenden Weltluftverkehr.
Und dies trotz der massiven Restriktionen des Versailler Friedensdiktats, welche noch 6 Jahre nach Kriegsende zur Ablehnung des ursprünglichen G 24 genannten Entwurfs durch die alliierte Kontrollkommission führten: Die vorgesehenen Junkers-Motoren waren zu leistungsstark. Daraufhin stellte das Unternehmen eine schwächer motorisierte Ausführung vor, die nun G 23 benannt wurde.
Solchen Zwängen und Behinderungen (dazu zählte auch der ungehinderte Zugang der Kontrollkommission zu allen Produktionsstätten samt Auskunftspflicht der deutschen Seite) wurde von den deutschen Luftfahrtunternehmen durch Gründung von Tochterfirmen und Kooperationen in der Schweiz, der Sowjetunion, Schweden, den Niederlanden, der vom Reich getrennten Stadt Danzig und Italien begegnet. Im Falle Junkers´ war dies u.a. die AB Flyindustrie in Limhamn bei Malmö in Südschweden.
Dort wurden auch die G 23 mit stärkerer Motorisierung und schwedischer Zulassung versehen und kamen so als G 24 in den Export und den deutschen Liniendienst zurück.
Wohl vornehmlich durch Einsicht in das Versagen jener Knebelungen wurden sie um 1925 für den deutschen Zivilluftverkehr deutlich gelockert. Die G 23/ 24 hatte bis dahin jedoch bereits in der zivilen wie auch militärischen Verwendung (so in Schweden und der Sowjetunion) ihre Qualität bewiesen.
Hierzu trug erheblich der bereits bei der F 13 inkorporierte, relativ einfache Wechsel des Fahrwerks zu Doppelschwimmern oder auch Skiern bei. Dies ermöglichte fast unbegrenzte Verwendung in allen Klimazonen. Rekordflüge und Expeditionen trugen zum Renommee und wirtschaftlichen Erfolg der Typenreihe bei, welche von der F 13 über die G 23/ 24, W 33 und 34 bis zur Ju 52/3m führte.
Datenblatt der Junkers G 23 (G 24)
Dreimotoriger Tiefdecker in Duraluminium-Leichtmetallbau mit starrem Fahrwerk (auch Schwimmer oder Skier). Länge 15,25 m, Spannweite 28,50 m, Startmasse 5.500 kg, Antrieb 1 x Junkers Reihenmotor L2 und 2 x Daimler D IIIa mit insgesamt 515 PS (G 24: 3 x Junkers Reihenmotor L2a mit 795 PS oder Junkers L5 mit 930 PS), Zweiblatt-Starrluftschrauben. Höchstgeschwindigkeit 170 km/h (175 km/h, 210 km/h), Reisegeschwindigkeit 160 km/h (150 km/h, 175 km/h), Reichweite 1.050 km, Besatzung 2, Fluggäste 9. Die rund 70 gebauten Maschinen standen ab 1924 bis weit in die 1930er Jahre im Liniendienst der Junkers Luftverkehrs AG und dann der Luft Hansa und vieler anderer Luftfahrtgesellschaften weltweit. Der Typ erflog in beiden Versionen G 23 und 24 verschiedene Nutzlast- und Streckenrekorde. Er war wesentlich am Aufbau des Weltluftverkehrs beteiligt.
Hereinspaziert!
Konnten wir Sie neugierig machen auf unsere Sammlungen mit über 40 Originalen und originalgetreuen Nachbauten von Segel-, Leicht-, Verkehrs- und Militärflugzeugen, noch einmal so vielen Triebwerken und Hunderten von Ausrüstungsgegenständen sowie unserer Modellsammlung? Dann freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände!
sb
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